Wie? Dein Buch ist eine Lizenz?

Inhalt

Vorneweg ich bin kein Anwalt für Lizenzrechte, dieser Blogpost spiegelt ganz allein meine Sicht wieder und die subjektive Interpretation des Vortrages, den ich letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse besuchte.

Immer wieder bin ich überrascht, dass es Autorinnen gibt, die denken, dass ein Buch ein Buch ist. Tatsächlich ist ein Buch nämlich eine Lizenz bestehend aus vielen Nutzungsrechten. Das Urheberrecht liegt bei dir und das solltest du auch niemals abgeben. Doch in dem Moment, wo ich das Buch auf einer Verkaufsplattform hochlade, erteile ich eine Verkaufslizenz für mein Werk, mit verschiedenen Rechten für diese Plattform. Dazu zählt z.B., dass sie eine Leseprobe mit einer gewissen Seitenzahl veröffentlichen dürfen ohne dafür Geld an mich zu bezahlen.

Ich bin glücklich eine selbstständige Autorin zu sein. Ich liebe meine Freiheit, die Bücher zu schreiben, die mich bewegen, mir die Menschen auszusuchen, mit denen ich zusammenarbeite und direkt zu veröffentlichen, wenn ich fertig bin. Manchmal jedoch kann ein Verlag verdammt hilfreich sein, um Märkte zu erreichen, die mir bisher verschlossen bleiben und Nutzungsrecht abzugeben, die ich selbst nicht nutzen möchte. Das war mein Gedanke, als ich mir den Vortrag von Bettina Breitling, Rights Director der Medienagentur von der Random House GmbH auf dem Autorentag der Frankfurter Buchmesse 2019 anhörte.

Wohin gehen die Lizenzen?

Nicht nur lieferte Frau Breitling ein breites Spektrum an Markt Know-How, nein, sie bot mit ihren mitgebrachten Zahlen und Fakten auch ein ernüchterndes Bild des Vertriebs von Lizenzrechten. So war mir bisher nie bewusst gewesen, dass unter den Top 10 Ländern mit denen Deutschland in der Buch,- Hörbuch und Filmbranche Lizenzen verkauft, kein einziges englischsprachiges ist. China rangiert seit Jahren auf Platz eins. Warum? Weil sie unsere Kinderbücher lieben. Südkorea, Spanien, Italien, Polen, Türkei und Frankreich sind weitere Länder, die mir bei den Top 10 im Gedächtnis haften geblieben sind.

Den Megaerfolg der Medienagentur, der Verkauf der englischsprachigen Lizenzrechte von Melanie Raabes Bestseller: Die Falle, führt Frau Breitling darauf zurück, dass ein bekannter australischer Verleger begeistert von ihrem Buch war und er die Vermarktung in dem englischsprachigen Raum übernahm. Später hatte ich noch die Gelegenheit Melanie Raabe bei einem weiteren Vortrag kennenzulernen, eine außergewöhnlich, sympathische Autorin, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Offen, ehrlich und mit viel Humor zeigte sie auf, dass viel Arbeit und jede Menge gescheiterte Versuche in ihrem Beststeller steckten.

Zahlen und Fakten aus der Lizenzagentur (Random House)

  • 23 Mitarbeiter arbeiten in der Medienagentur
  • Die Arbeit wird nach Märkten und Rechten aufgeteilt, weil es ein Netzwerk an Kontakten braucht, um die Lizenzrechte zu verkaufen
  • 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr
  • Davon 5 Millionen reine Lizenzrechte
  • 2.000 Verträge werden im Jahr abgeschlossen
  • Zu Random Hause GmbH gehörten zum dem Zeitpunkt 47 Verlage und 3 Hörbuch Verlage (Audiomedia, Audiobuch und Audio-To-Go)
  • 2.500 Neuerscheinungen werden bei Random House jährlich publiziert davon 800 von deutschen Autorinnen

Die Nutzungsrechte (Lizenzen)

Autorinnen geben niemals ihre Urheberrechte an ihren Werken ab, sondern immer nur die Nutzungsrechte (Lizenz). Die Hauptrechte enthalten: Hardcover, Taschenbuch, Clubbücher, gekürzte und Elektronische Ausgaben. Die Nebenrechte umfassen Film, TV, Theater, Audioversionen und Auslandsveröffentlichungen. Die Nebenrechte können nur genutzt werden, wenn der Verlag die Hauptrechte eingekauft hat. Sie gelten solange, wie das Hauptrecht. Der Standardvertrag bei Random Hause sieht die Nutzung der Hauptrechte über die gesamte Schutzdauer des Urheberrechts vor. In Deutschland 70 Jahre post mortem auctoris – also nach dem Tod des Schöpfers.

Bis nach dem Tod?

Ich würde die Nutzugsrecht für 70 Jahre post mortem auctoris nicht abgeben. Ich denke, dass so etwas eine Verhandlungssache ist. Selbst wenn die Chance besteht, dass mein Titel ein Spitzentitel in einem Verlag wird, macht es trotzdem Sinn, sich nach fünf oder zehn Jahren zusammenzusetzen und neu zu verhandeln. Auch müssen nie alle Rechte abgegeben werden. Ein Standardvertrag kann immer auf ein individuellen Vertrag abgewandelt werden. Mir hilft die Sicht auf meine Bücher, als ein Produkt, dass ich optimal vermarkten möchte. Bei aller Begeisterung, die ein Vertrag von einem Verlag auslösen kann, trenne dich als Mensch und Person von deinem Werk und betrachte es nüchtern.

Der Split bei den Nebenrechten zwischen der Autorin und dem Verlag liegt bei 60%-40%, wobei, wenn ich es nicht falsch verstanden habe, die höhere Prozentzahl für die Autorin gilt. Erlöse aus den Nebenrechten sind in der Regel mit der Vorauszahlung verrechenbar.

Der Verlag bietet dir einen Vorschuss auf den zu erwarteten Verkauf, deines Buches an. Dieser Vorschuss ist abhängig von dem, was der Verlag, glaubt mit deinen Büchern verdienen zu können. Bekannte Autorinnen erhalten daher einen höheren Vorschuss für ihre Bücher, als eine Debüt-Autorin.

Beispiel:
Du erhältst als Vorauszahlung 10.000 Euro (fitkiv!). Solange die Provisionen aus den Verkäufen deiner Bücher, diesen Betrag nicht übersteigt. Bekommst du kein weiteres Geld. Der Verlag verkauft ein Nebenrecht, wo dein Anteil 2.000,- Euro betragen würde, doch der Vorschuss ist durch die Verkäufe noch nicht erreicht, er liegt bei 7.000,- Euro, dann bekommst du kein Geld für das Nebenrecht ausbezahlt.

Übersetzungsrechte

Die Medienagentur lässt 15-30 Seiten Probeübersetzen, um das Potenzial auf den jeweiligen Märkten zu testen. Eine Übersetzung von Deutsch nach Englisch kostet pro Normseite in der Regel 45,-Euro. Das Lizenzgeschäft ist ein reines Personengeschäft, was bedeutet, dass sich die Partner persönlich treffen und verhandeln. Die wichtigsten Messen dafür sind die Frankfurter Buchmesse im Oktober und die London Book Fair im März. Oft arbeitet die Agentur in den Ländern mit Sub-Agenturen zusammen, die die Kontakte zu den Verlagen und bessere Kenntnisse der Marktgegebenheiten und Markttrends besitzen.

Film, TV und Theater

Das war natürlich das Recht, was mich neben dem Audiorecht und dem Übersetztungsrecht am meisten interessierte. Immerhin schießen die Streaming Anbieter wie Pilze aus dem Boden und der Bedarf an guten Serien ist enorm. Doch auch bei diesem Thema machte sich für mich rasch Ernüchterung breit. Die wichtigsten zwei Sätze:

  1. Das Buch ist die letzte Quelle für das Finden von potentiellem Filmstoff
  2. Es braucht eine Menge Geduld für dieses Recht – vom Angebot bis zur Realisierung können Jahre vergehen oder sogar Jahrzehnt. Ein aktuelles Beispiel benötigte 17 Jahre.

Eigentlich ist es einleuchtend. Ich besuchte einen Drehbuchkurs, weil ich eines meiner Bücher in ein Drehbuch verwandeln wollte. Es ist eine ganz andere Art des Schreibens und du kannst vieles, was du dir angeeignet hast vergessen. Ein Drehbuch muss exakt dem Spannungsablauf folgen. Die Höhepunkt müssen exakt an der Stelle gesetzt sein, wo sie erwartet werden. Regisseurinnen und Schauspielerinnen möchten selbst ihre kreativen Vorstellungen in den Stoff reinbringen. Es ist eine ganz enges Netzwerk, wo jeder jeden kennt und ein Unbekannter nur selten einen Fuß reinbekommt, trotz des Bedarfs an guten Stoffen.

Zahlen und Fakten zu Film, TV und Theater

  • Wichtigste Treffpunkte für die Branche ist die Berlinale, die Münchner Filmfeste und die Hamburger Filmfeste
  • Nach der Option auf die Geschichte,  hat der Produzent 18 Monate Zeit die Finanzierung aufzustellen. Schafft er es nicht geht das Recht wieder zurück an den Verlag.
  • In Deutschland werden für die Finanzierung des Films Förderanträge gestellt
  • 1/3 der verkauften Filmrechte werden am Ende nur verfilmt
  • Der Produzent vermarktet den Film
  • Im Theater werden literarische Texte genommen keine Unterhaltungsliteratur
  • 10% der vereinbarten Vergütung für Filme wird bei der Option fällig (etwa 3.000 – 5.000 Euro)
  • Filmrechte liegen zwischen 30 – 50 TEuro

 

Drei verkaufte Filmrechte, die in Kürze erscheinen, führte Frau Breitling in ihrem Vortrag auf. Die Titel habe ich mir nicht gemerkt, dafür welches Filmstudio für welchen Sender etwas produziert. Von Network Movie erscheint ein ZDF Dreiteiler, von Carte Blanche ein ARD Dreiteiler und Olga Film produzierte eine Netzflix Serie. Aktuell produziert Netflix lediglich 10 Originalstoffe pro Jahr, ob sich das ändert, weil ja weitere Mitbewerber auf dem Markt erscheinen, wird sich zeigen.

Charlotte Link ist derzeit für Random House die erfolgreichste Autorin für den Verkauf von Lizenzrechten. Sie ist seit 30 Jahren auf dem Buchmarkt und hat in Deutschland 28,5 Millionen Bücher verkauft. Die Lizenzrechte für ihre Bücher wurden in 20 Ländern verkauft.

Was sich Frau Breitling von Autor:innen wünscht:

  1. Bücher mit 350 Normseiten (80.000 Wörter) bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis
  2. Vertrauen in den Verlag, dass er sich für alle Nutzungsrechte einsetzt, weil es in seinem Interesse liegt
  3. Loslassen des eigenen Buches für die Vermarktung – es ist ein Produkt kein Baby oder Kind
  4. Akzeptieren das ein Film, nicht das Buch ist, sondern eine Interpretation der Geschichte

Mein Fazit aus dem Vortrag

  • Es sind sehr viele Marktkenntnisse und Kontakte notwendig, um die verschiedenen Nutzungsrechte für ein Buch zu vermarkten.
  • Ein Verlag muss Zeit und Geld in die Vermarktung stecken, dass kann er nur bei den erfolgsversprechenden Titel machen.
  • Es gibt Agenturen die sich auf spezielle Lizenzrechte konzentrieren
  • Je mehr Werke eine Autorin hat, je größer ihre Leserschaft ist, desto mehr Chancen hat sie Aufmerksamkeit zu erlangen und damit Nebenrechte zu vermarkten
  • Ich konzentriere mich auf das, worauf ich als Autorin Einfluss habe, was mich nicht hindert Erfahrungen und Absagen zu sammeln.
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