So kam der Hund ins Morning Breeze Café - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

So kam der Hund ins Morning Breeze Café

Ich liebe Tiere und seit ich mich erinnern kann hatten wir welche in unserem Haus. Hamster, Meerschweinchen, Mäuse, Katzen und natürlich Hunde. Als ich dann mein eigenes Geld verdiente, kamen Pferde dazu. Zum Glück liebt mein Mann Tiere genauso wie ich. Es gab also nur eine kurze Zeit in unserem Leben ohne Tiere, wo ich meine beruflichen Erfahrungen als Angestellte sammelte, damit ich später unser Unternehmen besser führen konnte, und mein Mann durch sein Studium, sowie Berufstätigkeit ständig unterwegs war. Kaum bekamen wir unser erstes Kind, hatten wir auch schon unseren ersten Hund gekauft. Trotz meiner großen Affinität zu Hunden spielen sie bisher nur in zwei Büchern eine Rolle und das hat einen ganz simplen Grund.

Ich darf sie beim Schreiben nicht vergessen. So wie ein Hund in wahrem Leben ein ständiger Begleiter ist, kann auch der Hund im Buch nicht einfach verschwinden und wiederauftauchen, wie es mir in der Szene gerade in den Kram passt. Ich brauche einen Lebenslauf, Charaktereigenschaften, wie reagiert er in verschiedenen Situationen und welche Aufgaben z.B. mein Diensthund Smart in Sondereinheit Themis, nimmt er wahr. Entsprechend brauche ich in der Reihe natürlich auch immer Fälle, wo der Hund im Einsatz vorkommt. Das ist manchmal schwieriger, als es sich eine Leserin denkt.

Im Morning Breeze Café war nun definitiv kein Hund vorgesehen. Allein wegen dem Hygiene Thema. Ein Hund der einsam und allein in der Wohnung gelassen wird, bringe ich selbst beim Schreiben nicht über das Herz. Unsere zwei Hunde liegen bei mir im Büro, neben mir. Es kommt nur selten vor, dass sie mal allein bleiben. Aus dem Grund hätte ich nicht im Traum daran gedacht in diesen Roman einen Hund rein zu schreiben. Es kam anders als gedacht. Was in meinen Geschichten eher die Regel ist, als die Ausnahme. Deshalb plane ich eine Story nur grob und freue mich später zu entdecken, wohin mich meine Figuren führen.

Doch wie kam nun Tiara in die Geschichte?

Einfach gesagt? Ausversehen. Kurz zuvor hatten wir uns hinreißen lassen bei einer Konferenz in Rumänien eine Hündin zu adoptieren. Einer der Sponsoren der Konferenz stellt jedes Jahr ein soziales Projekt des Landes vor. In 2018 war das Projekt rumänische Pflegeeltern für Straßenwelpen zu finden, bis sie zu ihren neuen Besitzern vermittelt werden können. Rina war von der Tierklinik, wo die Welpen aktuell lebten, nur mitgebracht worden, weil sie nach ihrer OP nicht allein dortbleiben konnte. Sie galt als nicht vermittelbar, wegen ihrem genetischen Fehler, der sich darin ausdrückt, dass ihr Analkanal im Vaginalkanal endete. Durch die OP konnten beide Kanäle getrennt werden. Durch das Enge beinandern liegen der Ausgänge und der fehlenden Schamlippe, besteht beständig die Gefahr, dass Rina eine Blasenentzündung bekommt. Durchfall und auch Verstopfungen sind problematisch für sie. Ich warnte meinen Mann davor, nachdem ich die Welpen entdeckt, in diesen Teil der Halle zu gehen. Woran er sich natürlich nicht hielt.

Was soll ich sagen? Ohne, dass wir uns im Vorfeld abgesprochen hatten, verliebten wir uns in Rina. Sie war derart aufmerksam, lebenslustig und aktiv, dass wir einfach nicht widerstehen konnten. Wir sprachen mit der Klinik, die zögerten uns Rina zu geben. Also entschieden wir uns, nach der Konferenz bei der Ärztin vorbeizuschauen. Sie erzählte uns die Geschichte von Rina noch einmal, klärte uns über Kosten und Risiken auf und schaute sich an, wie wir beide in einem Park mit der Hündin umgingen, die uns komplett ignorierte, weil jede Fliege sie faszinierte.

Wir flogen nach Hause, natürlich ohne Hündin, weil ja alles mit der Adoption seinen rechtlichen Lauf nehmen musste. Eine Prüfung durch das deutsche Tierheim, welches mit dem rumänischen Verein zusammenarbeitete, erfolgte kurzfristig. Allen war klar, dass für die lebhafte Rina, um die sechs Monate alt, der Zustand viel Zeit in einer Box zu verbringen, untragbar war. E-Mails gingen hin und her und wir führten jede Menge Telefongespräche. Schließlich erhielten wir die Erlaubnis, Rina zu adoptieren und wir unterzeichneten einen Vertrag. Rina kam in den Hundetransport, begleitet von einer Tierärztin und fuhr am Stück von Rumänien nach Deutschland, wo wir sie dann mit all den anderen neuen Besitzern der weiteren Hunde abholten. Eine echt stressige Situation für die Tiere. Wir versuchten ihr erst einmal viel Raum zu geben, damit sie sich erholen konnte, bevor wir die zweistündige Reise von dem Abhol-Ort zu ihrem neuen zu Hause, antraten. Unser Zwergschnauzer Linus, der mit unserem Sohn zu Hause geblieben war, fand es wie immer blöd einen anderen Hund in seinem Zuhause akzeptieren zu müssen, war jedoch von uns Kummer gewohnt. Rina hingegen fügt sich sofort ein und erkannte Linus seine Stellung in der Familie an. Nur das er nicht mit ihr spielt, lässt sie manchmal lange „Gespräche“ mit ihm führen. Es war interessant zu erleben, wie leicht es ist in Deutschland einen Hund zu kaufen und wie kompliziert es ist einen Hund zu adoptieren. Zwei Vor-Ort Überprüfungen vom Tierschutz, wie wir Rina hielten und ob wir mit ihr zurechtkamen, fanden dann noch statt.

Von der Herausforderung einen Teenager zu erziehen.

Einen Hunde Teenager zu erziehen, stellte mich vor eine neue Herausforderung. Ich wusste nicht, was sie kannte und welche Erfahrungen sie gemacht hatte. Jeder Hund ist individuell, doch kauft man sich ein Rassehund, kennt man zumindest die Prädisposition des Tieres. Vor allem kennt der Züchter seine Hunde sowie die Welpen und hilft dabei, denjenigen zu finden, der am besten in die Familie passt. Jedenfalls machten wir diese Erfahrungen mit unseren Züchtern. Rina ist ein Mischling und es gibt unterschiedliche Ideen, was alles drin sein könnte. Corgie – Jagdhund und Schäferhund – wegen der Farbe, ob das stimmt? Keine Ahnung. Menschen gegenüber ist Rina freundlich. Sie liebte es mit anderen Hunden zu spielen und wirft sich postwendend bei Menschen sowie Hunden auf den Rücken. Da sie jedoch kein Schwanz hat, der aus genetischen Gründen fehlt, nicht aufgrund eines Unfalls, ist es schwieriger ihre Stimmung einzuschätzen.

Es gibt zwei Eigenschaften von ihr, die mich verzweifeln ließen. Erstens fällt sie lieber Tod um, als mit dem Spielen aufzuhören. Sie läuft jeden Hund, den ich kenne, platt. Zweitens ihre Selbstständigkeit. Wir waren okay, um das Futter zu geben und sie zu kraulen, was sie wirklich liebt, jedoch zog sie immer ihr eigenes Ding durch. An der Leine war sie ein echter Rambo. Sie zu halten, obwohl sie klein ist und noch nicht mal zehn Kilo auf die Waage bringt, wurde in manchen Situationen schwierig. Unser Schnauzer fand das genial, denn er zog gleich mit, trotz dass er es anders bei uns gelernt hatte. Also Kläffen sie beide wie die Irren jeden Hund an. Kaum von der Leine, läuft sie zwar auch kläffend mit aufgeplusterten Kragen auf den Hund zu, nur um ihn dann zum Spielen aufzufordern oder sich auf den Rücken zu werfen.

Nach jeder Menge Literatur, einer Hunde-Online-Schule, viel Geduld und einer Hundeschule vor Ort, um sie den Reizen der anderen Hunde auszusetzen, machen wir Fortschritte. Sie ist eine echt tolle Hündin. Sehr lernwillig und hat auch unglaublich Spaß an dem Training. Solange ich sie beschäftige, bin ich interessant für sie. Jetzt beginnen wir Schritt für Schritt ihr beizubringen, dass sie auch mal ohne Ball, Stöckchen oder einer Aufgabe mit uns frei gehen kann. Sie hat eine super Nase und setzt sie auch ein. Es ist interessant zu beobachten, wie sie diese witternd in die Luft hebt und nicht nur auf dem Boden schnüffelt. Ich bin noch am Überlegen, welchen Sport wir beide betreiben sollen. Unser Linus liebt Agility, doch ob ihr das Gefällt? Wir werden es sehen.

Rina hat mich seit sie bei uns ist so beschäftigt, dass sie in meine Geschichte vom Morning Breeze Café einfloss. Es passiert mir oft, dass ich Themen, die mich im realen Leben intensiv beschäftigen, in einer Geschichte verarbeite. Deshalb steckt in jedem Buch ein Stück von mir drin und vielleicht wirken sie deshalb oft so lebendig.ich denke, das gilt für jede Schriftstellerin.

Wie findest du Tiara in der Geschichte? Welchen Eindruck macht sie auf dich?

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