Der Schreibtisch der Autorin Kerstin Rachfahl

Inhaltsverzeichnis

Ohne Schreiben geht es nicht

Letztes Jahr schloss ich meine Autorinnen Buchhaltung mit einem Minus ab. Es ist nicht das erste Jahr mit einem Verlust, sondern das vierte Jahr. Dennoch traf es mich diesmal am härtesten. Wieso stecke ich all die Zeit und Energie in ein Business, wo die Konkurrenz groß, das Produkt günstig und die Erfolgschancen gering sind? Ich lauschte in mich hinein und suchte nach einer Antwort. Ich liebe das Schreiben und es bedeutet für mich nicht allein, dass ich am Ende eine Geschichte in den Händen halte. Vielmehr versuche ich, damit das Leben selbst zu begreifen.

Was wäre wenn, ich an dieser Stelle in meinem Leben eine andere Entscheidung getroffen hätte? Ist es möglich, einen Krieg zu beenden, indem wir ihn nicht führen? Was wäre, wenn es zwei Staatsführern gelänge, ihre Feindseligkeiten niederzulegen, deren Wurzeln eine Ewigkeit zurückliegen und mit Vertrauen einen Weg einschlagen, von dem beide Völker zu gleichen Teilen Profitieren? All diesen politischen, gesellschaftlichen oder manchmal nur menschlichen Fragen, gehe ich in meinen Büchern nach und versuche für mich, eine Antwort darauf zu finden.

Weshalb ich schreibe

Es gibt viele Gründe, weshalb ein Buch nicht gelesen wird. Manche kann ich beeinflussen anderen nicht. Das die Geschichte logisch aufgebaut ist und spannend erzählt wird, liegt in meiner Hand. Dass viele Leute begeistert davon sind, kann ich nicht beeinflussen. Ich kann ein tolles Cover erstellen lassen, dass neugierig auf das Buch macht. Ob meine Geschichte die Erwartungen der Leserschaft erfüllt, weiß ich nicht.

Stell dir vor ich schreibe eine brillante Story, mein Schreibstil ist super, der Plot genial mit überraschenden Wendungen, doch niemand kann im Moment mit dem Thema etwas anfangen, weil es nicht den Zeitgeist trifft. Manchmal kommt ein Buch zu früh und die Zeit ist dafür noch nicht reif. Manchmal kommt es zu spät und keiner möchte es mehr lesen. Wüsste ich, welches Buch ein Bestseller wird, würde ich es schreiben, so wie jede andere Autorin auch und dann wäre es kein Bestseller mehr.

Disziplin und Fleiß

Eine Menge Autorinnen leben vom Schreiben ihrer Bücher, indem sie für eine spezifische Zielgruppe Geschichten schreibt. Manchen schreiben drei Bücher pro Jahr oder mehr. Es hört sich einfach an, ist es aber nicht. Jeder der ein Buch geschrieben hat, weiß, welche Aufgabe das ist. Vor allem unter dem Druck, die Erwartungen der Leserschaft zu erfüllen. Andere wiederum, schreiben und schreiben, werden von Literaturagenturen oder Verlagen abgelehnt. Schreiben weiter und schreiben weiter, bis ein Buch entsteht, dass zu einem Trendsetter wird und eine begeisterte Leserschaft findet, die nicht genug davon bekommt, darüber zu reden.

Ich kenne viele Autorinnen, die es geschafft haben, sich eine Autorinnenmarke aufzubauen. Sie verfügen über eine große Leserschaft. Sie stecken viel Arbeit in das Marketing und in die Beziehung zu ihren Fans. All das neben dem Schreiben neuer Bücher. Vor diesen Autorinnen ziehe ich meinen Hut. Mir fällt das alles wahnsinnig schwer. Im Grunde möchte ich einfach nur ein Buch schreiben, es veröffentlichen oder veröffentlichen lassen und das wars. Aber so funktioniert der Buchmarkt nun mal nicht.

Welches Potential steckt in mir?

Ich schäme mich, eine erfolglose Autorin zu sein, und spreche nicht darüber. Stattdessen versuche ich, den Schein für mich selbst aufrechtzuerhalten, dass ich mich nur wieder mehr anstrengen muss. Das irgendwann der Durchbruch kommt und ich bis dahin so viele Bücher geschrieben habe, dass die Welle eine lange Zeit in die Höhe läuft, bevor sie am Strand wieder verebbt. Es gibt viele Erfolgstipps, jede Menge Dienstleister rund um das Autorinnenbusiness, die dir versprechen, wenn du diesen Ratschlag befolgst, diesen Service nutzt, die Beratung in Anspruch nimmst, dass du dann deinen Durchbruch erreichst. Das mag stimmen, doch eines vergessen sie alle dabei.

Selbst, wenn du das beste Buch aller Zeiten schreibst, mit dem coolsten Cover und einem riesigen Marketingbudget, dass es nur einen entscheidenden Faktor für den Erfolg gibt. Die Leserschaft. Diejenigen, die dein Buch kaufen, davon begeistert sind, weil es zu ihnen spricht, weil es ein Problem löst, dass ihnen untern den Fingernägeln brennt, weil es sie megagut unterhält oder sie mitten ins Herz trifft.

Deshalb ist es so wichtig, dass du dir eine Fanbasis aufbaust. Das ist schwer, wenn du so wie ich in verschiedenen Genres schreibst. Kennst du deine Zielgruppe, kannst du dich auf sie in deren Ansprache konzentrieren. Deine Autorinnen Webseite oder dein Newsletter sind die direkte Verbindung zu deinen Fans. Auf anderen sozialen Kanälen bist du abhängig von denjenigen, denen die Plattform gehört. Du unterliegst ihren Spielregeln. Von heute auf morgen kann deine Sichtbarkeit weg sein. Taktiken, die gestern funktionieren, können morgen obsolet sein. Deshalb ist der eigene Markenaufbau so wichtig. Die Top-Autor:innen der Verlage sind eine Marke. Das erkennst du daran, dass der Autor:innen Name hervorgehoben ist.

Zwei Beispiele: Catherine Shepherd (Selfpublisherin), Charlotte Link (Verlagsautorin)

Selbstzweifel

Diese Frage stelle ich mir seit dem letzten Jahr. Ich weiß nicht, ob meine Bücher gut genug sind. Ja, es gibt Menschen, deren Leben ich mit meinen Geschichten berühre und das bekomme ich in vielen liebevollen Rückmeldungen widergespiegelt. Doch schlummert darin das Potential, dass ich genug Leserinnen erreiche, dass ich davon Leben kann? Ich habe Bücher geschrieben, bei denen ich einen fünfstelligen Betrag verdiente. Ich habe Bücher geschrieben, bei denen ich bis heute in einem vierstelligen Betrag im Minus liege.

Ich möchte keine Marketingexpertin sein. Wäre ich das, würde ich mit diesem Wissen meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich möchte Geschichten erzählen. Selbst meine Bücher zu veröffentlichen, bedeutet an mich zu glauben. Es heißt, das Risiko einzugehen, dass das, was ich schreibe, eine Leserschaft findet, die den Aufwand, den ich in die Veröffentlichung stecke, trägt und das genug für mich übrig bleibt.

Die Verantwortung liegt bei mir. Ich kann niemanden die Schuld dafür geben, dass meine Bücher sich nicht verkaufen oder unsichtbar werden, kaum, dass ich sie veröffentlicht habe. Ich kann einen anderen Weg der Veröffentlichung gehen. Partner finden, die mir helfen, das Potential in meinen Geschichten zu heben, weil mir die Fähigkeit dazu fehlt. Es ist eine Entscheidung, die ich nach Abwägung aller Vor- und Nachteile treffe.

Was bedeutet Erfolg für mich?

Immer wieder denke ich in letzte Zeit über den Begriff nach und was er für mich bedeutet. Ich bin in einer Ära groß geworden, wo es entweder bedeutet, dass du viel Geld verdienst oder viel Einfluss auf die Gesellschaft hast. Wenn ich meinen Erfolg in Geld messe, reicht es mir, dass ich 36.000 Euro im Jahr mit dem Schreiben verdienen. Das entspricht meinem Sicherheitsbedürfnis für eine Selbstständigkeit. Neben meinem Lebensunterhalt sorge ich für mein Alter oder krankheitsbedingte Ausfälle vor und zahle meine Steuern. Und ja, ich möchte Steuern zahlen und meinen Beitrag für die Infrastruktur, die Sicherheit und die Gesellschaft leisten.

Mein maximaler Betrag, den ich verdienen möchte, sind 250.000,- Euro im Jahr. Alles, was darüber hinausgeht, würde ich in Projekte stecken, über die ich in meinen Büchern gestolpert bin. Sei es Assistenzhunde, Frauen aus der Prostitution helfen, autofreie Städte, Energiewende, grüne Schulhöfe oder die Eingliederung von Menschen in die Gesellschaft. Die Liste wird bestimmt noch länger. Wieso ein maximaler Betrag? Weil ich der Meinung bin, dass meine Arbeit kein höheres Jahreseinkommen rechtfertigt. Denke ich allein an all die gesellschaftlich notwendigen Berufe und wie deren Verdienstmöglichkeiten aussehen, ist das ein Haufen Kohle. Mein Mann sieht das mit Sicherheit anders, aber die Diskussion führe ich, wenn ich in die Situation komme.

Wenn ich den Erfolg aus der Brille von Einfluss betrachte, reicht es mir, Denkanstöße zu geben, dass wir im Umgang miteinander toleranter sind und dass kulturelle Vielfalt, unterschiedliche Lebensweisen ein Ausdruck unserer Menschlichkeit sind. Ich möchte zeigen, dass es viele Lösungen für ein Problem gibt, damit wir aufhören, uns von Medien oder Meinungsmacher in den Fatalismus zu lesen. Unterhaltungsliteratur kann uns Liebe, Hoffnung und neue Perspektiven auf die Welt schenken. Deshalb gibt es bei mir auch Happy Ends.

Geld ist ein Tauschmittel. Es macht nicht glücklich oder unglücklich. Es ist nicht Gut oder Böse. Es hat keinen Wert nur den, den wir ihm beimessen. Doch immer wieder rutschen wir in den Fehler, dass wir glauben unser eigener Wert würde sich darin spiegeln, was wir verdienen. Schreibe ich weiter? Ja. Veröffentliche ich meine Geschichten weiter? Ja. Investiere ich weiter in meine Bücher? Ja. Schaffe ich es, eines Tages davon zu leben? Wir werden es sehen.

Hier geht es zu meinem Blogpost: Was verdient eine Autorin.

Ich arbeite an einem detaillierten Bericht zu den Zahlen. Dort erfährst du:

  • Welche Bücher ich in dem Jahr veröffentlicht habe
  • Wie sich die Kosten aufteilen
  • Welche Marketingentscheidungen ich traf
  • Was sich am Buchmarkt verändert hat
  • Besonderheiten in dem Jahr

 

Wenn dich der Bericht interessiert, kannst du ihn ab August 2024 exklusiv auf meiner Webseite erwerben.

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