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Eine Frage der Menschlichkeit

Sobald ich anfange, Nachrichten zu lesen, erfasst mich ein kalter Schauer. Die Welt geht unter. Die Autokraten beherrschen die Schlagzeilen. Überall ist Krieg und wir scheinen vollkommen hilflos dem gegenüber zustehen. Ist das so?

Am Wochenende traf ich meinen Onkel und meine Tante. Beide waren Kinder im Zweiten Weltkrieg. Beide verloren mehrfach ihrer Zuhause. Erst im Rahmen der Kampagne „Heim ins Reich“ – nach dem ersten Weltkrieg. Später als die Kriegsfront näher rückte flüchteten sie mit ihren Familien nach Deutschland. Beide erlebten ihre Welt in Trümmern. Sie hungerten. Sie schippten den Schutt von den Straßen, bauten auf und freuten sich, in die Schule zu gehen.

»Habt ihr Angst? Habt ihr das Gefühl, wir drehen uns ein weiteres Mal im Kreis?« »Nein«, lautete die einfache Antwort, der eine Komplexere folgte. Eine, die ich in mich aufsaugte, wie jede Geschichte, die mir Menschen über das Leben erzählen. Irgendwann wird es in einem Buch verarbeitet.

Sind wir ein freies Land?

Mich erschreckt die aktuelle Diskussionskultur in unserem Land der freien Meinungsäußerung. Fehler werden nicht mehr akzeptiert. Selbst Entschuldigungen, bei der Einsicht, dass uns ein Fehler unterlief, spielt dabei keine Rolle.

Auge um Auge. Zahn um Zahn, so heißt es im Alten Testament. Dieses Jahr habe ich bei der Passion mitgespielt und durfte zwanzig Mal »Jesus« im Tempel predigen hören. »Liebet eure Feinde. Wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, halte ihm die andere hin. Behandle jede, wie ihr selbst behandelt werden wollt.« – Meine Rolle war die eines Schriftgelehrten, der sich gegen die Lehren von Jesus wehrt und dann nachdenklich wird.

Wie kann ich jemanden, der mein Volk abschlachtet, es eliminieren will, die Hand reichen? Die Antwort kann nur derjenige geben, der direkt in den Konflikt involviert ist.

Der Brief an die Galater

(7) Täuscht euch nicht: Gott lässt keinen Spott mit sich treiben; was der Mensch sät, wird er ernten. (8) Wer im Vertrauen auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber im Vertrauen auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. (9) Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist.

Quelle: Bibel Einheitsübersetzung Neues Testament

Ich bin vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten. Die Worte der Bibel faszinieren mich bis heute. Es scheint, als würde es für jeden Konflikt auf der Welt ein Zitat in der Bibel geben.

In meinem Politthriller die Bundespräsidentin, suchte ich nach einem ewigen Konflikt, den sie lösen könnte. Natürlich fiel mir direkt Israel ins Auge, einfach weil wir Deutschen bis heute die Schuld tragen, für die menschliche Grausamkeit, die das Volk durch uns erlitt. Ich las viel über den Konflikt im Nahen-Osten. Ich bekam Informationen von Vereinen, wissenschaftliche Abhandlungen, ich las Zeitungsberichte aus der Zeit und mich faszinierte der Gedanke eines Zwei-Völker Staates. Wie soll das funktionieren? Immer wenn ich keine Antwort auf eine Frage finde, baue ich diese in meine Geschichten ein. In diesem Fall wird das Konzept umgesetzt und es war ein tolles Gefühl, einen solchen Konflikt auf dem Papier zu lösen. Ich war sicher, dass Israel es eines Tages gemeinsam mit der palästinensischen Führung umsetzen wird.

Die Realität ist eine andere. Wer oder was hat den Konflikt ausgelöst? Angst? Hass? Hoffnungslosigkeit? Der Wunsch von Autokraten, die Welt zu verändern? Die Ignoranz der Demokratie, die vergessenen Völker zu sehen? Die Unfähigkeit, zurück zu einem Dialog zu finden?

Wir alle sind Menschen

Für mich ist humanitäre Hilfe eine Frage der Menschlichkeit. Menschen tragen keinen Stempel auf der Stirn, der sagt, du bist gut, du bist böse, du darfst weiterleben, du nicht. Wer, wenn nicht wir in Deutschland wissen, um diese Art der Unmenschlichkeit? Deshalb haben wir ein Grundgesetz in unserem Land, dass jedes Leben schützt. Wir können den Angriff auf Israel verurteilen. Wir können das Recht, sich selbst zu verteidigen nachvollziehen. Wir können Menschen helfen, die verwundet und in Not sind. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage der Menschlichkeit.

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