6. September 2011

Wer verdient wirklich bei E-Books?

2011-09-06-direct-publishingIch möchte meine bisherigen Erfahrungen mal in einem Blogbeitrag zusammenfassen. Nicht was den Verkauf meines Liebesromans betrifft, denn der erscheint erst in ein paar Tagen bei Amazon. Sondern über das Ergebnis einer langen Recherche, die noch nicht geendet hat zum Thema E-Books. Im Moment finden sich hier vor allem Studien im amerikanischen Markt, der anders ist als unser deutscher Buchmarkt.

Vor einigen Jahren hörten wir das E-Book von Chris Andersson “The Long Tail”. Es folgten viele andere Bücher zum Thema Social Marketing und Web 2.0. Dennoch ist “The Long Tail” ein empfehlenswertes Buch, Hörbuch oder E-Book, wenn man sich mit dem Thema das erste Mal beschäftigt. Die Essenz des Buches sagt, dass das Internet die

Möglichkeit bietet, das Nischen lukrativ werden. Durch die günstige Art der Distribution, den Zugang zu seinen Fans, kann z.B. Musik ihre Zielgruppe finden, die vorher nicht zu vermarkten war. Manchmal leiteten Künstler davon ab, dass sie ab jetzt ohne die Zugangswächter (für die Buchbranche, die Verlage) viel Geld verdienen können. Ist das wirklich so?

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Die Ersten, die von den neuen Zugangsmärkten wirklich profitieren, sind die Anbieter der Leistung, um bei meinem Buch Beispiel zu bleiben, Amazon. Ihnen ist es egal, ob sie 10.000 von einem Buch verkaufen oder 10.000 von 10.000 Büchern (unter der Annahme der Preis wäre gleich). Sie haben dadurch keine Mehrkosten und können sich so sogar durch die Vielfalt des Angebotes positiv von der Konkurrenz abheben.

Die zweiten Gewinner bei den neuen Zugangsmärkten sind die Konsumenten. Sie kommen in den Genuss eines vielfältigen Angebotes von neuen ganz anderen und vielleicht sogar innovativen Büchern oder von Alten, die so auf dem Markt nicht mehr vorhanden waren. Außerdem können Autoren, die in diesem Fall selber als Verleger auftreten, den Preis für ihre E-Books festlegen und der ist niedriger als die E-Books, die von den Verlagen angeboten werden. (Der Preis für mein Roman)

Warum der Autor es günstiger anbietet und trotzdem mehr dabei verdienen kann als bei einem Verlag, liegt an der zur Zeit geltenden Gewinnverteilung zwischen dem Autor und seinem Verlag (Leistung des Verlages, Risiko Verteilung, Marketing…). Warum die Verlage die E-Book Preise nicht senken können, liegt meiner ganz persönlichen Meinung an den folgenden Punkten. Sie treten in Konkurrenz zu ihren eigenen anderen Produktvarianten des E-Books. Die Kosten liegen insgesamt gesehen höher, bei einer Mischkalkulation über die Produkte hinweg. Und zuletzt verdienen mehrere Instanzen daran (Redakteur, Programmleiter, Buchhandel, Lektorat, Designer, Hörbuchsprecher…).

Systemisch betrachtet ist der Markt seit langen Jahren eingespielt und durch die Buchpreisbindung geschützt. Trotz vieler Kritik, trotz der Diskussion mit meinem Mann (der sich darüber immer aufregt), haben bisher viele Menschen sich gut damit eingerichtet und verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Veränderung sind immer schmerzhaft und haben ihren Preis. Es wird Verlierer geben und Gewinner. Aufzuhalten ist diese Veränderung meiner Meinung nach nicht. Die kulturelle Vielfalt wird zunehmen und im Gegensatz zu vielen Anderen, bin ich sogar der Meinung, dass das wirklich eine positive Entwicklung sein wird. Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und wer legt fest was kulturell wertvoll ist oder nicht?

Aber wie sieht es nun mit den Autoren und solchen wie mir aus, die endlich mal ein Buch veröffentlichen, ganz auf eigene Kosten und Risiken. Werde ich jetzt reich? Eine Bestseller-Autorin? Ein unentdecktes Talent? Nein, dafür kenne ich meine eigenen Grenzen gut genug. Wäre ich ein solches Talent, dann würde ich nicht mit 42 Jahren mein eignes Buch veröffentlicht, sondern stände bei einem Verlag im Programm. Dennoch glaube ich an mein Buch und meine kommenden Bücher. Mein Ziel ist es eine Fangemeinde aufzubauen und da reichen mir auch schon 10.000 Downloads meines Buches über die Zeit hinweg, damit ich die Kosten meines Lektorats, meine eigene Zeit und vielleicht auch noch die englische Übersetzung meines Romans davon tragen kann. Doch die Konkurrenz im Nischenmarkt ist größer, als ganz oben an der Spitze. Es wird keine Massen von Autoren geben, die Millionäre werden oder auch nur soviel verdienen, dass sie vom Schreiben leben können. Tatsächlich glaube ich sogar, dass sich prozentual gesehen das Verhältnis an der Anzahl der verfügbaren Bücher verschlechtert. Der Markt verteilt sich auf mehr Anbieter.

Allerdings bin ich auch nicht pessimistisch und denken, dass ein Autor sein Produkt frei anbieten muss. Es wird freie Inhalte geben, kostengünstige E-Books, teure innovative E-Books mit besonderem technischen Mehrwert. Ich bin selber Leser und schätze die schriftstellerische Leistung der Autoren von Büchern die ich gerne lese. Natürlich bin ich dafür bereit Geld zu bezahlen. Aus welchem Grund sonst, sollte der Autor gewillt sein eine tolle Leistung zu erbringen und mir für ein paar Stunden eine schöne Zeit zu schenken. Das ist schlicht und ergreifend Marktwirtschaft.

Entgegen vieler Unkenrufe, denke ich dass sich die Qualität der Nischenprodukte im Laufe der Zeit erhöhen wird. Es werden viele schöne, lesenswerte E-Books erscheinen und das Angebot wird vielfältiger werden. Ich halte meine Leser für durchaus fähig sich ihrer eigene Meinung zu bilden und ich verurteile sie ganz bestimmt nicht, wenn sie sich zum Entspannen der seichten Literatur zu wenden. Genauso werden intellektuelle Bücher ihren Weg zu ihren Fans finden und ganz bestimmt gibt es bald witzig, technisch interessante Kombinationen von Worten, Bilder, Spielen, die neue Zielgruppen für das Lesen wieder begeistern.

Ich bin mal neugierig, was ich in einem Jahr von meinem eigenen Artikel denke. Bis dahin freue ich mich über eure Kommentare zu diesem Thema.

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