Was du von einer 1-2 Sterne Kritik lernen kannst - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

Was du von einer 1-2 Sterne Kritik lernen kannst

Eine Ausschnitt der Rezensionen von drei meiner Bücher

Eine Ausschnitt meiner Rezensionen

Es ist immer schwer für mich zu akzeptieren, dass es Leserinnen und Leser gibt, denen meine Geschichte missfällt. Dabei ist es eigentlich das Normalste auf der Welt. — Jeder hat einen anderen Geschmack. So wie der eine keine Tomaten isst, so gibt es Leserinnen und Leser, denen meine Autorenstimme, der Plot, die Hintergrundgeschichte, die Charaktere oder der Schwerpunkt nicht zusagt. Trotzdem nährt es die Selbstzweifel ungemein. Ich denke an die vielen Leserinnen und Leser, die meine Geschichte erst gar nicht auf Amazon bewerten und frage mich in dunklen Stunden: Gehören sie zu denen, die eine 1-2 Sterne Bewertung abgegeben hätten oder eine 3-5 Sterne?

Heute las ich einen coolen Artikel auf der Webseite Publisherweekly von Drucilla Shulz über Kealan Patrick Burke, Zitat:

“Good reviews are wonderful for the ego, but an informative negative review can be invaluable. You are not infallible and you cannot expect your work to be any different. It can always be better. The minute you think you’ve nothing left to learn is the moment you’ve given up on your craft. Do not engage reviewers. It is not their job to answer to a writer, and while you may not agree with them, the fact remains that you had your one and only opportunity to sway the opinions of reviewers when you wrote the book.”

Frei übersetzt ins Deutsche:

“Gute Rezensionen sind wunderbar für das Ego, aber informative kritische Rezensionen sind unschätzbar. Du bist nicht unfehlbar und du kannst nicht erwarten, dass deine Arbeit in irgendeiner Weise anders ist. Du kannst sie immer besser machen. In dem Moment, wo du denkst es gäbe nichts mehr, was du lernen könntes, gibts du auf  an deinem handwerklichen Geschick zu arbeiten. Nimm keinen Kontakt zu den Rezesenten auf. Es ist nicht ihre Aufgabe, einem Autoren zu antworten. Und auch wenn du nicht ihrer Meinung bist, bleibt die Tatsache, dass du nur eine einzige Chance hast, die Meinung eines Rezensenten in deinem Sinne zu beeinflussen und das ist der Zeitpunkt, wenn du das Buch schreibst.”

Nachdem ich also meine Tiefphase mit einer schlechten Kritik durchlebe, krempel ich immer die Ärmel hoch. Ich lese die Kritik ein zweites, drittes manchmal auch viertes Mal und analysiere sie auf das was ich daraus lernen kann. Das kann ich dann im nächsten Buch berücksichtigen. Genauso prüfe ich aber auch, ob ich vielleicht falsche Erwartungen geweckt habe ( durch das Cover, den Titel, die Beschreibung, Kategorien oder Schlagwörter). Hier stehen mir ganz viele Hilfsmittel zur Verfügung, die ich als selbstständige Autorin jederzeit beeinflussen kann. Kritik zu Rechtschreibfehlern, sofern sie konkret genannt werden, kann ich beispielsweise korrigieren.

Anderer Meinung

Entgegen der Meinung von Kealan nehme ich durchaus ab und an Kontakt zu einem kritischen Rezensenten auf. Dann nämlich, wenn ich eine konkrete Nachfrage zu einem bestimmten Punkt habe, den er oder sie erwähnt hat und der sich mir nicht direkt erschließt. Ich erwarte allerdings nicht, dass sich jemand die Zeit nimmt mir zu antworten, bisher bekam ich jedoch immer eine nette und hilfreiche Antwort.

Aus den ersten 2 Sterne Kritiken lernte ich zusammen mit meiner Lektorin, dass wir in unserem Überarbeitungsprozess eine dritte Person brauchen, die sich nur um die Rechtschreibung und Grammatik kümmert. Denn (irgendwann im Überarbeitungsprozess), steckt sie so tief in der Geschichte drin, dass auch sie den ein oder anderen Fehler nicht mehr sieht. So sind wir inzwischen seit meinem fünften Buch ein eingespieltes Dreier-Team. Gerne bin ich bereit die zusätzlichen Kosten dafür zu tragen. Bei dem Umfang meiner Bücher sind das knapp 1.000,- Euro die ich pro Buch mehr investiere.

Eine gute Investition, denn ich möchte ja langfristig meine hochgesteckten Ziele erreichen. Dazu mehr in einem anderen Blogpost.

Zum Thema Rechtschreibung:

Viele Leserinnen und Leser, die ein Buch von einer selbstpublizierenden Autorin lesen, setzen einen Filter auf. Statt sich von der Geschichte einfangen zu lassen und sich auf den Inhalt zu konzentrieren, achten sie auf jeden einzelnen Fehler, den sie entdecken. Gibt es das perfekte, fehlerfreie Buch? Ich konnte es noch nicht entdecken, egal ob selbstpublizierende Autorin oder als Verlagsautor.

 

 

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