Vera Kamphoven in: Duke–ein weiter Weg zurück - Kerstin Rachfahl Romantik und mehr ...

Vera Kamphoven in: Duke–ein weiter Weg zurück

Starten wir am Anfang, mit meiner ersten Heldin, Vera Kamphoven. Ein Name muss immer zu meiner Protagonistin passen. In der ersten Version des Romans hieß sie Katharina. Doch nachdem der Charakter Form annahm, wurde mir nach und nach klar, dass dieser Name keinesfalls zu ihr passt. Ich suchte etwas bodenständiges, langweiliges, ja normales. Genau so startet die Figur. Vera ist ein Durchschnittsmädchen, weder hübsch noch hässlich, weder dünn noch dick, weder klug noch dumm. Aber sie steht mit beiden Beinen auf den Boden, denn sie hat etwas, das sie trägt, die Pferde. Tiere machen sich nie an den Äußerlichkeiten eines Menschen fest. Sie erkennen die inneren Werte und in ihrem Inneren ist Vera eine starke Frau.

Ein weiterer Pluspunkt sind ihre Eltern. Zum einen Lieben die beiden sich und zum anderen Lieben sie Vera. Sie ist das einzige Kind der Eltern, dass was ihr Leben vollkommen macht. Vor allem zu ihrem Vater hat sie eine tiefe Beziehung. Ein Mann eher zurückhaltend, ja fast schüchtern, der glücklich ist in seiner Welt. Genau das zeichnet auch das Elternhaus aus. Die Kamphoven´s sind Menschen, die zufrieden sind ohne Neidgefühle gegenüber ihren Arbeitgebern. Die Arbeit, die sie verrichten erfüllt sie und genau diese Lebensfreude, dieses in sich selbst ruhen, geben sie an ihrer Tochter weiter. Die Welt der Kamphoven´s ist heile und nichts scheint sie zu erschüttern, bis ja, bis zu dem Unfall von Vera.

backlit horse sunsetDie Pferde sind Veras Leben. Bei ihnen fühlt sie sich frei von jedem Wettbewerb, denn natürlich existiert auch in ihr der Wunsch gesehen zu werden. In ihrer Person ist sie unsicher, auch wenn sie das nie zeigt. In den Gedanken, die die Leserinnen ja mitbekommen, da ich die Geschichte nach der zweite Version noch ein drittes Mal umschrieb, um sie aus der “Ich”-Perspektive zu erzählen, wird das sichtbar. Obwohl das eine Erzählperspektive ist, die mir überhaupt nicht behagt, war mir klar geworden, dass vieles unverständlich bleibt, wenn die Leserinnen, diese Innenansichten nicht erhalten. Pferde lesen sehr aufmerksam die Körpersprache eines Menschen. Sie merken wenn jemand unsicher ist oder Angst hat. Da sie mit ihren Lauten sehr sparsam umgehen, ist das Lesen der Körpersprache für ihr Überleben in der freien Wildbahn entscheidend. Diese natürliche Art mit Pferde zu kommunizieren, fällt Vera leicht. Denn sie ist neugierig, achtsam, fasziniert und tritt den Lebewesen mit Wertschätzung gegenüber. So wie die Pferd ihrer inneren Werte erkennen, so erkennt sie die ihren.

Erst als Thomas zwischen sie und die Pferde tritt wird diese Verbindung gestört. Hinzu kommt, dass sie sich auf einen ziemlich dummen Deal eingelassen hat, um das, was ihr im Leben am wichtigsten ist, nämlich Flying High, in ihren Besitz zu bekommen. Noch nie wollte Vera etwas in ihrem Leben, aber der Hengst gehört zu ihr, dass weiß sie von dem ersten Augenblick, wo sie ihn nach der Geburt sieht. Und auch der Hengst weiß, dass er zu Vera gehört. Wer die Geschichte gelesen hat, weiß um das Verhältnis der beiden und was dann geschieht.

Es gab eine Leserin die mir schrieb, dass sie Vera für schwach hält. Und dass es ihr nicht gefiel, dass Henning in ihren Augen sie sozusagen rettet. Das fand ich völlig spannend, denn ich habe in der Figur von Henning lediglich eine Mann gesehen, der erkennt, das Vera leidet und ihr ein paar kräftige Schubser gibt, damit sie merkt, dass sie auf dem falschen Weg ist. Das versucht er lange Zeit und scheitert an der Sturheit von Vera. So empfinde ich es, denn Vera muss selbst diese Schritte gehen. Niemand kann sie ihr abnehmen. Auch wenn ich auf jemanden Druck ausüben oder ihm die Tür vor der Nase zu mache, damit er lernt auf eigenen Füssen zu stehen, funktioniert das nur, wenn derjenige bereit ist diese Erkenntnis anzunehmen. “Verändere dich und du veränderst die Welt” (ich weiß nicht mehr wer das gesagt hat), aber das ist etwas was Vera in der Geschichte lernt.

red horse in winter runs gallopIch finde Vera in all ihrem Verhalten stark. Sie hätte aufgeben können, aber sie kämpft. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist sie allein auf sich gestellt und jeder der es gewohnt ist in einer liebevollen Umgebung aufzuwachsen, weiß wie hart es ist, ganz allein in die Fremde zu gehen. Es gehört Mut dazu sich dem zu stellen, vor dem man Angst hat. Vor allem in dem Wissen versagt und andere enttäuscht zu haben. Vera ist aber auch am Ende stark in der Erkenntnis, dass sie ihre eigene Schuld trägt und so daraus lernen kann.

Wer aus seinen eigenen Fehlern lernt, vor allem aus denen, für die er sich unglaublich schämt, der ist für mich eine starke Persönlichkeit. Wir müssen uns selbst verzeihen können und das sagt sich oft leichter als es ist.

Habt Ihr die Geschichte gelesen? Wenn ja, wie ist es Euch mit Vera ergangen? Erkennt ihr sie wieder in dem was ich hier geschrieben habe? Erzählt es mir, ich freue mich von Euch darüber zu hören.