Tipp: Wie du ein Hörbuch produzierst

Seit vier Jahren überlege ich, wie ich aus meinen Büchern ein Hörbuch produzieren kann. Der erste Gedanke war es selbst zu produzieren. Ich fragte bei einem Schauspieler und einen Tonstudio an, wie der Prozess aussehen würde und mit welchen Kosten ich rechnen müssten. Drei Dinge wurde mir daraufhin klar:

  1. Ein/e Hörbuchsprecher/in steckt viel Arbeit in ein Buch. Die Geschichte muss gelesen werden. Danach erfolgte eine Markierung bei den Dialogen, wer wann spricht. Zuletzt geht es in das Tonstudio, wo das Buch Stück für Stücke gelesen wird. Stellen, die beim ersten Sprechen nicht sauber klingen, werden wiederholt.
  2. Das Tonstudio übernimmt nicht nur die Aufnahme, sondern hört die ganze Zeit auch mit, ob alles sauber klingt. Die Tontechnik greift ein, korrigiert und entscheidet auch, ob Stellen wiederholt werden. Am Ende werden Nebengeräusche (z.B Luft holen) heraus gefiltert, Pausen gekürzt, Ausschläge der Lautstärke reduziert und dann alles zusammengeführt.
  3. Regieanweisung. Entweder muss ich als Autorin im Vorfeld eine Regieanweisung schreiben, wie Wörter gesprochen werden sollen, wie die wichtigste Charaktere in ihrer Sprache sind und was mir wichtig ist. Oder du sitzt bei den Tonaufnahmen mit im Studio, hörst zu und kannst auch im Vorfeld wichtige Aspekte klären. Nicht jedes Tonstudio möchte dich dabei haben, da es den Produktionsprozess verlängert.

Ist es da ein Wunder, dass eine Hörstunde mal eben 300,- bis 700,- Euro kostet? Die Kalkulation erfolgt auf der Basis der Zeichenanzahl inklusive Leerzeichen. Dabei entsprechen 900 Zeichen einer Hörminute. Für eine Stunde sind das 54.015 Zeichen (es sind 900,25 Zeichen, deshalb die 15 Zeichen mehr). Die Kosten für die Hörstunde setzen sich aus der Sprechergage, die Verweildauer im Tonstudio und die Bearbeitungszeit zusammen.

Verdienstmöglichkeit

Doch was kannst du mit einem Hörbuch verdienen? Tja, dass kommt darauf an. Hörbuch Plattformen bieten für ihre Kunden oft Flatrates an. Nur selten wird ein Kunde ein Hörbuch zum vollen Preis kaufen. Wenn also ein Kunde mit einer Flatrate pro Monat von 9,90 Euro, dein Hörbuch hört, dann bekommst du von dem Nettobetrag einen Prozentsatz. Dieser ist abhängig von der Plattform und ob du einen Distributor dazwischen schaltest, der die Verteilung deines Hörbuches auf die verschiedenen Plattformen vornimmt. Mal angenommen du bekommst 60% der Nettoeinnahmen von der Plattform und dein Distributor wiederum nimmt sich 30% von dieser Provision für seinen Aufwand.

9,90 Euro /1,07 = 9,25 Euro
9,25 Euro / 1,60 = 5,78 Euro
5,78 Euro/ 1,70 = 3,40 Euro

Also ohne Distributor erhältst du bei dem Beispiel 5,78 Euro Provision, wenn jemand dein Hörbuch hört. Du erhältst 3,40 Euro, wenn du eine Distributor dazwischen schaltest. Manche Distributoren verlangen vielleicht auch einen festen Preis pro Hörbuch.

Betriebswirtschaftliche Betrachtung

Wie bei deinen Büchern hängt die Möglichkeit was du verdienen kannst von verschiedenen Faktoren ab. Auf einige hast du einen Einfluss, auf andere wiederum nicht. Wir nehmen an, dass du eine Distributor nimmst, der als Lieferant bei den Plattformen gelistet ist und das passende Format für dich hoch lädt. Du bezahlst 300,- Euro für das Studio samt Sprecher und dein Hörbuch ist 10 Stunden lang, dann bezahlst du 3.000,- Euro für die Produktion. In diesem Fall brauchst du 883 Hörer , die sich mit ihrer monatlichen Flatrate, dein Buch anhören.

3.000 Euro / 3,40 Euro = 883 Hörer

Worauf du Einfluss hast:

  1. Ein tolles Buch für deine Zielgruppe schreiben
  2. Ein Cover für dein Hörbuch wählen, dass das Genre wiederspiegelt und deine Zielgruppe anspricht
  3. Eine passende Stimme für dein Buch auswählen – wer wie ich viele Hörbücher hört, weiß dass eine super gute Stimme sogar Hörer für eine Geschichte begeistern kann, die sie normalerweise als Buch nicht lesen würden. Deshalb ist die Hörprobe auch in meinen Augen wichtiger, als der Teaser/Klappentext
  4. Ein Interesse weckender Teaser/Klappentext für die Geschichte
  5. Marketingmaßnahmen – Newsletter, Blogger/innen, Webseite, Social Media // Denk daran, nur wenn du ein gutes Produkt anbietest und die richtige Zielgruppe erreichst, kann dein Marketing dauerhaft greifen.
  6. Gegebenenfalls eine Segmentierung deines Hörbuches für Plattformen wie Spotify

Worauf du keinen Einfluss hast:

  1. Zu welchem Preis eine Plattform dein Hörbuch anbietet
  2. Welches Modell die Plattform bietet (Flatrate oder Kauf)
  3. Ob der Hörer dein Hörbuch kauft oder seine Flatrate oder Hörminuten einsetzt
  4. Der Preis für ein Segment deines Hörbuches
  5. Der Prozentsatz für deine Provision
  6. Sichtbarkeit deines Hörbuches auf der Plattform

Deine Mitstreiter auf der Plattform

In meinen Augen musst du mit deinen Hörbüchern noch eine Spur professioneller sein, als mit deinem E-Book. Deine Mitstreiter sind Hörbuch-Verlage, die sich den Markt aufgebaut und viel Lernerfahrung und Geld in die Hand genommen haben. Es ist ein andere Markt, als der Buchmarkt und anders als dort funktioniert die Preispolitik nicht so, wie auf dem Buchmarkt.

In einem weiteren Blogpost erfährst du, weshalb ich nach diesen Überlegungen versuchen wollte einen Hörbuch-Verlag zu finden und warum ich am Ende es doch selbst angegangen bin.

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