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Gespräch in meinem Kopf: „Du schreibst das zwanzigste Buch, den sechsten Band in deiner Erfolgsserie Sondereinheit Themis, wieso bist du nicht in der Lage, dein normales Schreibtempo einzuhalten? Du kennst den Anfang. Du weißt, wohin die Geschichte geht. Du bist tief in deinen Figuren drin. Was ist los mit dir?“

Als ich am 14. April 2020 den sechsten und letztes Band meiner Serie Sondereinheit Themis anfing, da war ich sicher, spätestens in drei Monaten den Rohentwurf in den Händen zu halten. Weit gefehlt. Erst zehn Monate später hielt ich ihn in den Händen und wusste gleichzeitig, das mir noch eine lange Zeit der Überarbeitung bevorsteht. Sieben Wochen später, war ich mit dem Rohentwurf so weit zufrieden, dass ich ihn meinem Mann zum Lesen gab. Eine weiterer Überarbeitungslauf anhand seiner Anmerkungen, dann geht das Buch zu meiner Lektorin.

Wie schreibe ich?

Bei jedem Buch, das ich schreibe, lerne ich dazu. Ich verfeinere mein Handwerk, experimentiere mit Anfängen und Enden, ich Wechsel sogar das Genre. Dieses Buch, ist ein Wendepunkt für mich gewesen, denn es stellt mich vor die Frage, ob ich weiter Schreiben werde oder nicht. Du fragst dich wieso ich ausgerechnet am zwanzigsten Buch an diesem Punkt gelandet bin? Keine Ahnung. Aber es spielt auch keine Rolle. Für manche ist es das erste Buch, dass nie geschrieben wird. Für andere ist es das Zweite oder irgendeines danach. Dann sind da noch diejenigen, die niemals vor dieser Frage stehen.

Bei jedem meiner Bücher, erreiche ich irgendwann beim Schreiben einen Punkt, wo mich Selbstzweifel überkommen. Ich fange an über die Geschichte nachzudenken und sie zu analysieren. Ich frage mich, ob die Charaktere plausible handeln, ob diese Wendung verständlich ist oder künstlich wirkt. Ich überwinde solche Blockaden, in dem ich einfach weiter schreibe. Egal was dabei herauskommt. Es gibt keine schlechten oder guten Szenen, nur zwei Stunden schreiben oder das Erreichen einer gesetzten Wortanzahl für diesen Tag. Ich höre auf irgendwelche Erwartungen an mich oder die Geschichte zu stellen.

Was war die Herausforderung?

Diese Form der Distanz, bringt meinen kritischen Verstand zum Schweigen und ich komme wieder in den kreativen Fluss. Der Knoten platzt. Diesmal jedoch konnte ich aus unterschiedlich Gründen diesen Knoten nicht entwirren. Er zog sich fester und fester, sog sich mit Wasser voll. Ich wurde ungeduldig riss daran, schrieb mir die Finger wund, doch er wollte sich einfach nicht lösen. Im Gegenteil, je mehr ich daran zerrte, desto schlimmer wurde es. Über zwanzig Figuren, nicht nur aus der Reihe, sondern aus fünf anderen Büchern, brachten mich an den Rand der Verzweiflung. Ich sicherte Versionen fing an Passagen neu zu schreiben und alles zwischendrin zu überarbeiten. Ich schrieb Notizbücher voll mit möglichen Handlungssträngen, testete Varianten aus und verwarf sie gleich wieder. Ich schrieb nicht ein Buch, sondern zig Bücher.

Mein Mann hat mich im letzten Jahr oft gefragt, warum lässt du die Geschichte nicht einfach ruhen und schreibst die Geschichte, die dir gerade unter den Nägeln brennt? Je mehr er mir diesen Ausweg vor die Augen führte, desto mehr stemmte ich mich dagegen. Das Buch nicht zu Ende zu schreiben, hätte für mich bedeutet zu scheitern. Ich dachte, wenn du diesmal aufgibst, dann wirst du jedes Mal aufhören, wenn du an diesem Punkt angelangst. Auf einmal wurde die Fertigstellung des Buches zu einem Wendepunkt in meiner Karriere.

Was ist meine Motivation zu schreiben?

Schreibe ich weiter oder hänge ich den Beruf an den Nagel? Wieso schreibst du überhaupt? Wieso steckst du all diese Lebenszeit in die Geschichten? Du führt zusammen mit deinem Mann ein IT-Unternehmen, reicht dir das nicht? Nutze doch deine Freizeit für das Laufen, trainiere deine Hunde, verbringe Zeit mit deinem alten Pferd, ewig wird er nicht mehr leben oder spiele mehr Klavier, statt dich an deiner Tastatur zu quälen. Denn das Schreiben wurde zu einer Qual, dabei hatte ich es zur Entspannung von meinem Alltag, als Zeit ganz allein für mich begonnen. Die Antwort darauf erstaunte mich selbst.

In erster Linie schreibe ich, weil ich meine Fantasiewelt kontrollieren kann. Ich kann viele Leben, leben statt nur eins. Ich kann in Jobs arbeiten, die mich faszinieren. Ich kann mich aus prekären Situationen befreien, neuen Lebensmut schöpfen. Ich kann mich von ganz unten, nach oben arbeiten und mein Leben sinnvoll gestalten. Es lässt mich die Komplexität der realen Welt besser verstehen. Ich fühle mich nicht mehr hilflos einer Situation ausgesetzt, sondern kann aktiv dagegen steuern. Ich kann meinem Frust ausleben und neue Hoffnung schöpfen. Ich kann herausfinden, ob es die Umstände sind, die jemanden eine Herausforderung annehmen oder daran scheitern lassen.

Ich betrachte das Leben aus einer mir völlig fremden Perspektive. Ich kann mir die Welt neu denken und das ist eine unglaubliche magische Kraft.

Nicht nur ein Buch...

Als ich am 17.02.2021 „Ende“ unter den letzten Absatz schrieb, da wusste ich, dass ich mehr als nur ein Buch geschrieben hatte. Es ist egal, ob ich das Buch am Ende veröffentliche oder nicht. Es ist egal, ob ich mit dem Buch, die Erwartungen meiner Leser*innen erfülle oder nicht. Es spielt keine Rolle, ob ich das Geld, was mich die Veröffentlichung kostet, verdiene oder nicht. Ich weiß jetzt, dass das Schreiben, nicht nur ein Teil meines Lebens ist, sondern das ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann, wenn ich es unternehmerisch angehe.

Meine Bücher sind Unterhaltungsliteratur, keine Werke, die literarische Preise gewinnen oder gesellschaftskritische Werke, die die Welt verändern. Das bedeutet auch, dass ich meine Zielgruppe klarer definieren, mein Handwerk verbessern und Genre spezifischer schreiben werde. Ganz wichtig, ich bin nicht das Buch, sondern das Buch ist ein Produkt, das Ergebnis meiner Arbeit, mit dem ich mein Geld verdiene. Ein Profi schreibt für den Markt. Manche können das produktiv und mit handwerklichem Geschick. Ich werde experimentieren und herausfinden, wie ich einen Mittelweg finde, dass zu schreiben, was in mir brennt zu dem, was meine Leserschaft von mir lesen möchte. Ein Amateur schreibt vor allem für sich. Sei es, weil er der Welt etwas mitteilen möchte oder um seine eigene Geschichte zu erzählen. Schreiben ist Therapie.

Jede Schriftstellerin ist eine Unternehmerin...

Eine Schriftstellerin schreibt Texte, eine Autorin veröffentlicht Bücher. Jede Schriftstellerin ist selbstständig, egal ob sie die Bücher selbst veröffentlicht oder einem Verlag zu Veröffentlichung anbietet. Mit anderen Worten, wir sind Unternehmerinnen.

In jedem Unternehmen gibt es Jahre, die besser laufen als andere. Wir treffen Entscheidungen, die sich am Ende als richtig oder falsch herausstellen. Wir gehen Risiken ein, die sich manchmal auszahlen oder Geld kosten. Manchmal sogar dazu führen, dass wir zahlungsunfähig sind und Insolvenz anmelden müssen. In Deutschland sind wir gescheitert, in anderen Ländern heißt es, du hast viel Erfahrung gesammelt, lerne daraus. Es ist ein Ende und gleichzeitig ein Neuanfang. Das super coole daran Autorin zu sein ist, dass wir nicht Insolvenz gehen können. Unsere Lebensunterhalt verdienen wir halt mit einem anderen Job, bis die Einnahmen aus dem Verkauf der Lizenzen ausreichen. Wir sind unser eigene:r Mäzen:in. – In welcher Zeit kam Kunst und Sport ohne diese Menschen aus?

Ich durfte bei dem Schreiben des Buches unglaublich viel über mich selbst und meine Arbeitsweise lernen. Ich versank in Selbstzweifel und fand zurück zu meinem Selbstvertrauen. Der Weg ist wieder frei für neu, interessante, spannende Charaktere, die darauf warten mir ihre Geschichte zu erzählen. Ich freue mich schon riesig darauf, sie zum Leben zu erwecken.

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