28. Februar 2016

Rohentwurf Duke 2: 1. Kapitel – Abendessen – Szene 2

Noch während ich die Tür zu der Wohnung von Hennig aufschloss, streifte ich mir gleichzeitig die Schuhe ab. Ich warf die Jacke auf den Boden, schlüpfte aus dem Sweatshirt, zog erst das eine Bein, dann das andere aus der Stretchjeans, so dass ich am Ende nur noch in Unterwäsche in dem Schlafzimmer ankam. Auf dem Bett lag ein schwarzes, schlichtes Etuikleid, daneben eine noch verpackte Feinstrumpfhose, sowie meine einzigen eleganten Schuhe, die sogar einen Miniabsatz aufwiesen. Ich hob den Zettel, der auf dem Kleid lag auf. Nur ein Vorschlag, falls du nicht weißt, was du anziehen sollst, stand darauf und dahinter hatte Henning ein Smiley gemalt. Typisch für ihn, er plante immer im vor aus.
Ich stellte die Dusche auf besonders heiß, nahm reichlich Shampoo und Duschgel, um auch den Rest des Pferdegeruchs loszuwerden. Schaffte es in Rekordzeit, mir die Haare trocken zu föhnen, eine Spur Make-up für die roten Stellen in meinem Gesicht aufzulegen, so dass ich keine Dreiviertelstunden später vor dem Restaurant stand. Immer noch eineinhalb Stunden nach der ursprünglich vereinbarten Zeit. Ein wenig außer Atem, ging ich hinein. Ein Kellner erblickte mich, kam mir lächelnd entgegen und nahm mir den Mantel ab, den ich passend zu dem Kleid ausgewählt hatte.
»Möchten Sie noch warten oder Platz nehmen?«
»Oh meine Begleitungen sind schon bei Ihnen, vermutlich bereits mit dem Essen fertig. Ich habe mich verspätet.«
»Ah, Sie gehören zu Herrn Sander?«
»Genau«, erwiderte ich ein wenig perplex.
»Keine Sorge«, beruhigte er mich, »sie sind gerade erst mit der Vorspeise fertig und jetzt wo Sie da sind, werden wir gleich das Essen servieren. Herr Sander war so frei und hat für Sie das Lachsfilet a lá Lord Nelson bestellt oder möchte Sie doch lieber etwas anderes?«
Einen Moment war ich sprachlos und wusste nicht, ob ich verärgert oder erleichtert sein sollte. Es war so typisch für Henning, alles für mich erledigen zu wollen. Als wäre ich seine kleine Schwester, die er als großer Bruder bevormunden musste.
Der Kellner wartete höflich auf eine Antwort von mir. »Nein, es ist genau das, was ich essen wollte.« Er konnte schließlich nichts dafür.
»Möchte Sie noch eine Vorspeise?«
»Nein, danke. Dafür werde ich beim Nachtisch zu schlagen.«
Ein amüsiertes Lächeln, dann ging er mir voraus zu dem Tisch, wo die anderen auf mich warteten. Henning trug einen schwarzen Anzug, mit einem silbergrauen Hemd ohne Krawatte. Ich mochte ihn lieber in Jeans und T-Shirt oder am aller liebsten nackt im Bett. Hastig schob ich den unpassenden Gedanke beiseite. Wie immer wirkten seine blonden Haare zerzaust. Was den strengen Businesslook auflockerte. Soeben lehnte Therese ihr Gesicht lachend an seinen Oberarm, in dem sie sich auch untergehakt hatte. Eine überaus vertrauensvolle Geste, wie ich fand, die Henning in keiner Weise zu stören schien. Mir hingegen versetzte es einen Stich. Rasch fasste ich mich, als sich alle vom Tisch zu mir wandten, nachdem der Kellner höflich den letzten freien Stuhl für mich herauszog. Zwischen Henning und einem Mann, der mir schemenhaft bekannt vor kam. Beide standen sie gleichzeitig auf, als sie mich erblickten.
»Vera, schön dass du noch gekommen bist. Thomas hat mir eine SMS geschickt, dass du auf dem Weg bist. Ich war so frei und habe dir, was zum Essen bestellt. Lachs. Du kannst es aber auch noch umbestellen, wenn du möchtest.«
Er zog mich in seine Arme und küsste mich flüchtig auf die Wange. Den Arm um meine Schultern legend, wandte er sich dem anderen Mann zu, der mir zulächelte.
»David, wollte unbedingt neben dir sitzen. Er startet für Kanada im Springreiten und hat früher mehr als einmal die Nachsicht gegen dich gehabt. Allerdings ritt er zu dem Zeitpunkt für England.«
David reichte mir die Hand, blinzelte mir vergnügt zu. »Sie werden sich nicht mehr an mich erinnern«, versuchte er es in einer Mischung aus englisch und deutsch.
»Wir können englisch miteinander sprechen«, schlug ich ihm vor, worauf er dankbar grinste. »Und ich erinnere mich Dancing Girl, korrekt?« Ich konnte mir nie die Reiter vom Namen merken, dafür die Pferde.
Jetzt strahlte er mich so erfreut an, dass ich am liebsten in den Erdboden versunken wäre.
»Genau.«
»Therese, kennst du ja schon«, stellte mir Henning weiter die anderen Personen am Tisch vor. Diese nickte mir mit einem freundlich aufgesetzten Lächeln zu. »Alan mit seiner Frau Loreen, die dich so gerne kennenlernen wollten und schon befürchteten, dass du gar nicht mehr kommen würdest.«
Eine kleine Spitze verpackt in einem charmanten Lächeln, so dass ich nicht wirklich beleidigt sein konnte. Dachte er. Ich löste mich aus seiner Umarmung, begrüßte erst Loreen, dann Alan, der ebenfalls aufgestanden war. Alles Männer mit Manieren. Um wie viel lieber war mir da die Gesellschaft von unserem schweigsamen Samson. Kaum hatten wir uns gesetzt, kamen zwei Kellner mit unserem Essen.
Mir lief bei dem Anblick das Wasser im Munde zusammen. Ich hatte zwar heute Mittag mit Papa Brote gegessen und mir mit ihm ein Stück Kuchen geteilt, aber das war vor dem Reiten, dem Misten und der Geburt eines Fohlens gewesen. Blöderweise, waren die Portionen in diesem Restaurant typisch exklusiv klein, auch wenn sie optisch schön aufbereitet waren.

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