Recherche: Zero Dark Thirty - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

Recherche: Zero Dark Thirty

imageFür den neuen Gegenwartsroman mit dem Arbeitstitel Tamara, beschäftige ich mich mit den Special Forces. Dabei bin ich auch über den Film: Zero Dark Thirty von der Regisseurin Kathryn Bigelow gestolpert. Der Film beginnt mit der Folterung eines Gefangenen durch den CIA, was für mich sehr abschreckend war. Ich möchte gar nicht wissen, was sich hinter den Mauern bei den Verhören, der sogenannten zivilisierten Staaten alles abspielt. Die Schauspieler der Reihe durch, hervorragend in ihrer Leistung und Darstellung. Aber absolute Spitze dabei ist, Jessica Chastain. Allein wie beim Schreien, ihre Adern am Hals hervortreten – wow. Überhaupt jede stille Handlung in dem Film aussagekräftiger, als so manche Dialoge. Sei es, wie sie an der Wand runterrutscht, als sie eine schlimme Nachricht erhält. Oder aus dem Restaurant flieht, als dort eine Bombe hochgeht. Wie sie verkleidet erfolglos auf die Suche geht. Genauso, wie sie Kollegen in einer unnachgiebigen Art unter Druck setzt. Diese

Zahlen auf der Scheibe – einfach göttlich – beim Schreiben und Wischen spürte ich jede ihre Stärke an Wut und Frustration. Auch die SEALS fand ich sehr gut dargestellt, auch wenn sie hier eher eine Nebenrolle spielen.

Neben dem Schauspieler/in, der die Ideen und Vorstellungen umsetzt, gehört aber auch jemand, der diese Vision hat. Dabei nimmt sich Kathryn Bigelow in ihrer Beurteilung der Ereignisse zurück, jedenfalls habe ich es so empfunden. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, ob die Methoden die Ergebnisse rechtfertigen oder nicht. Ich finde es beeindruckend, wie sie mit den Bildern und stummen Szenen arbeitet. Sie verlässt sich hier völlig auf die körperliche Ausdrucksstärke der Darsteller. Arbeitet mit ihrem Äußeren, ihren Emotionen, ihrem Schweigen und ihrem Schmerz. Das Ende, die letzte Szene, Maya allein in dem riesigen Transportflugzeug für Truppen. Die Leere und ihre Einsamkeit hätte nicht deutlicher dargestellt werden können. Mich hat der Film tief beeindruckt. Ich bin froh in Deutschland zu leben.

Ob der Anfang mit der Folter so sein muss? Der Schock bei mir saß tief. Insofern blieb für mich, über den ganzen Film, ein diffuses Gefühl des sich nicht Wohlfühlens. Ich denke auch nicht, dass es eine Rechtfertigung sein sollte für Folter, vielmehr zeigt es den Preis, der bezahlt worden ist. Für Alle, einschließlich der westlichen Gesellschaft, mit ihren zweideutigen moralischen Werten. Der Mangel an Menschlichkeit, der mich Fragen lässt, sind wir anders?

Ich habe mir danach noch den Film “Codename Geronimo” von dem Regisseur John Stockwell angesehen. Er lässt die Folter weg, macht es in Form eines Interviews und setzt seinen Schwerpunkt auf den Einsatz. Auch interessant, aber längst nicht so beeindruckend von der schauspielerischen Leistung oder den Bildern von Zero Dark Thirty.

Ich habe viel von der Darstellung der CIA-Agentin Maya gelernt.