Raus aus Social Media - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

Raus aus Social Media

Die Entscheidung meine Profile in den Social Media Kanälen zu löschen, gibt mir das Gefühl einen Selbstmord der Sichtbarkeit zu begehen. Wieso habe ich mich dennoch nach langen Überlegungen dazu entschieden?

Deep Work

Seit einigen Monaten merke ich, wie ich mich immer häufiger durch Social Media von meiner eigentlichen Arbeit, dem Schreiben von neuer Unterhaltungsliteratur, ablenken lasse. Ständig denke ich darüber nach, wie ich meine Sichtbarkeit durch noch einen weiteren sozialen Kanal erweitern kann. Ich lese Blogposts, schaue Videos und nehme an Online-Trainings teil. Das alles kostet Zeit, die mir dann fehlt, um mich wirklich tief mit dem zu beschäftigen, was für meine persönliche Weiterentwicklung als Schriftstellerin wichtig wäre, nämlich an der Technik meines Schreibens zu arbeiten und Bücher von anderen Autor/innen lesen.

Das Buch “Deep Work” von Dr. Cal Newport hörte ich zuerst in Englisch als Hörbuch, dann kaufte ich mir die deutsche Übersetzung des Buches als E-Book. Ich spürte, ich brauchte mehr Sinne als das Hören, um zu verinnerlichen, was er schreibt. Auch wenn das Buch viele wissenschaftliche Passagen enthält, wurde mir klar, wo meine Probleme liegen und weshalb es mir aktuell so schwer fällt mich in ein Schreibprojekt zu vertiefen.

Früher konnte ich mich stundelang mit einem Thema auseinandersetzen, ohne mich ablenken zu lassen. Heute prüfe ich meine E-Mails, schaue nach ob es eine neue Rezension zu meinen Büchern gibt, lese die Nachricht meiner Familie auf WhatsApp, beantworte das Telefon, schreibe rasch ein Kundenangebot oder stolpere im Internet über einen spannenden Beitrag, obwohl ich eigentlich nur kurz überprüfen wollte, wie eine Minderheitsregierung funktioniert. Das alles ist viel leichter und schneller erledigt, als eine schwierige Szene in meinem Buch zu schreiben.

Was Social Media bewirkt

Dank des Buches, verstehe ich, welchen Effekt das ständig Online sein auf mich, meine Aufmerksamkeit und meinen Schreibprozess hat. Warum fällt es mir dennoch so schwer auszusteigen?

Social Media wurde entwickeltet, um uns süchtig zu machen. Unternehmen möchte Geld verdienen, sei es durch ihr Produkt, Werbung oder dem Sammeln von persönlichen Informationen. Es gibt keine alturistischen Motive hinter Social Media, es geht darum unsere Bedürfnisse zu befriedigen, um Umsatz zu generieren. Natürlich hat Social Media positive Seiten, sonst würden wir es ja nicht nutzen. Doch es hat auch negative Auswirkungen auf unser Wohlbefinden, unsere Arbeit und unser Leben.

Social Media macht nicht nur süchtig, es kann sich auch negativ auf dein Psyche auswirken. Du siehst nur sorgfältig bearbeitete Fotos. Du suchst die Anerkennung von Fremden. Du erfährst nur von den Erfolgen anderer. Du verpasst das Gefühl schöner Moment, weil du damit beschäftigt bist ein perfektes Foto davon zu machen, um es zu teilen. Du bist mehr bei anderen und dem Gedanken, was andere über dich denken, als bei dir selbst. Kannst du noch deiner Freundin zuhören, wenn du mit ihr Essen gehst?

Das Wort Medienkompetenz bedeutet, dass wir lernen müssen mit den Medien umzugehen und uns bewusst entscheiden, wann wir sie wie nutzen. Es sind Werkzeuge, die uns den Alltag erleichtern sollen, unterstützen ein berufliches Ziel zu erreichen, uns helfen den Kontakt mit der Familie und Freunden zu halten oder neue Menschen kennenzulernen. Doch ich merke, je mehr Kanäle ich nutze, desto mehr Gedanken mache ich mir, wie ich neue Leserinnen erreichen und da es nur funktioniert, wenn man sich auch engagiert, verbringe ich mehr und mehr Zeit dort und lasse mich ablenken. Deshalb fiel bei mir die Entscheidung, dass ich aussteige, um wieder mehr Zeit für die wesentlichen Dinge in meinem Leben zu haben. Die, die mir echte Freude bereiten.

Ich weiß noch nicht, wie meine Ausstieg enden wird. Gehe ich womöglich voller Panik wieder zurück in die Social Media Kanäle, weil ich kein einziges Buch mehr verkaufe? Welche Auswirkungen wird es auf mein soziales Leben haben? Verliere ich den Kontakt zu meinen Fans? All das sind Fragen, die mich natürlich beschäftigen. Am meisten bin ich gespannt, ob ich meine Fähigkeit wiedererlange, mich ganz intensiv auf mein Schreiben zu fokussieren.

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Wie geht es dir mit Social Media? Kannst du dir vorstellen, alles abzuschalten?

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