2. November 2016

Ich liebe den Herbst

Wenn die Sonne im Herbst scheint, dann ist es als würde ich in ein prickelndes, energieweckendes Sprudelbad steigen. Das bunte Herbstlaub. Der Nebel, der über den Tälern liegt und an dem du die Wege der Flüsse erkennst, die in unserer Gegend durchziehen, denn dort hängt er besonders dicht über dem Tal. Drei Bilder von meiner Wahlheimat Hallenberg und eines wo ihr, wenn ihr es euch ganz groß zoomt das Kuppeldach von unserer Freilichtbühne erkennen könnt.

Der erste Morgenfrost der in den Grashalmen hängt und von der Sonne in einen glitzernden Tropfen Wasser verwandelt wird. Dampf der aus unseren Wassertonnen steigt, als würde ich ein Feuer darunter anzünden. Das alles ist für mich Herbst.

Ich komme zur Ruhe, brauche etwas länger für meine Aufgabe und gleichzeitig tanke ich Kraft, für die kommende, wie ich finde anstrengste Jahreszeit. Winter. Morgens ist es normalerweise noch dunkel, wenn ich mich auf den 5 km Marsch mit Linus zu unseren Pferden mache. Ab und an, wenn ich etwas später loskomme, erlebe ich noch den Sonnenaufgang, gerade jetzt, wo die Zeitumstellung war. Abends ist es für die Joggingrunde jetzt zu dunkel. Aber auch das gehört alles zu dem Herbst. Die kalte Luft, eine dicke Wollmütze und ich trage auch schon Baumwollstrumpfhosen unter der Jeans. Lieber schwitze ich und zieh mich aus, als dass ich friere.

Es ist toll in einem Land zu leben, wo du alle vier Jahreszeiten hautnah erleben kannst. Dort zu wohnen, wo es immer nur Sommer ist, kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Ich brauche den Wechsel und jede Jahreszeit liebe ich. Nur wenn mich jemand auffordert eine einzige Jahreszeit zu wählen, dann ist es der Herbst.

Aber warum? Das habe ich mich selbst gefragt.

Einiges davon zählte ich am Anfang des Blogpost auf, doch es hat auch einen morbideren Hintergrund. Der Frühling steht für den Anfang, den Neubeginn, das Erwachen und hier steckt unglaublich viel Kraft drin, aber auch eine Ungewissheit. Denn du weißt nie, was am Ende herauskommt. Der Sommer ist zum Leben da, hier steckt Fröhlichkeit, das Verspieltsein und der Genuß drin. Wir treffen Menschen auf der Straße, in der Eisdiele, dem Biergaten oder auf den Wanderwegen. Begegnungen mit Fremden, die manchmal richtig spannend sind. Oft ist mir die Sonne in der Jahreszeit zu kraftvoll. Sie verbrennt mich und ich brauche viel Wasser, um mein Energielevel zu halten. Der Herbst steht für den Abschied, das Ende und den Rückblick. In dem Monat betrachte ich alles, was hinter mir liegt und bin vor allem eines. Dankbar. Ich denke an die, die ich liebte und verloren habe. Und auch hier verspüre ich vor allem Dankbarkeit für die Zeit, in der sie mein Leben begleiteten. Der Winter ist die Zeit der Stille, des Innehalten und Lauschens. Hier ist die Zeit sich selbst ein Stück näher zu kommen und zu überlegen, wo ich eine Kurskorrektur vornehmen kann. Ausruhen, tief durchatmen, in die Kälte gehen, bis die Haut schmerzt und sich freuen, wenn man mit einem heißen Milchtee, Kakao oder Kaffee in der Hand, sich wieder im Haus, der Wohnung oder dem Wohnwagen aufwärmen kann.

Was ist deine Lieblingsjahreszeit und warum?