Gelesen: "Maria Magdalena" von Marianne Fredriksson - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

Gelesen: “Maria Magdalena” von Marianne Fredriksson

20160812_MariaMagdalena_Rezension

Cover des Buches von der Amazon Webseite

Zur Zeit spielen wir auf unserer Freilichtbühne in Hallenberg das Musical: “Maria Magdalena”. Das Drehbuch dazu schrieb unsere Regisseurin Birgit Simmler und die Musik dazu komponierte Paul Graham. Mich beschäftigte die Geschichte so, dass mir eine Mitspielerin aus unserem Kinderstück den Roman: Maria Magdalena von Marianne Fredriksson zum Lesen mitgab.

Mit einer hohen Erwartung fing ich an zu Lesen, denn immerhin ging es um die “fiktionale” Entstehung der Schriftrollen, die im Jahre 1945 von Bauern im ägyptischen Ort Nag-Hamadi gefunden wurden. So startet übrigens auch unser Musical. Mit dem Finden der Schriftrollen, bevor es zurück geht in die Zeit zur Grablegung Jesus. Für mich war schon 2010, als wir die Passion auf unserer Bühne spielten und Birgit zum ersten Mal das besondere Verhältnis von Jesus und seiner Jüngerin Maria Magdalena in den Mittelpunkt stellte, diese Frau eine Inspiration. Die Autorin bringt einen sehr interessanten Aspekt in die Geschichte, indem sie schildert, wie Maria in die Situation gerät, dass sie im Freudenhaus landet. Mir haben die Ideen über das Leben, die Begegnungen, die Handlungen und das Ende sehr gut gefallen. Daher fand ich die Geschichte so interessant, dass ich sie bis zum Ende las.

Die Charaktere hingegen blieben für mich absolut zurück. Ich war bei keinem in der Lage eine Beziehung aufzubauen. Wenn wir von Liebe in all ihrer vielfältigen Form sprechen, dann sollte dies auch durch die Charaktere fließen, in ihren Begegnungen und den Dialogen hervortreten . Oft wusste ich gar nicht wer spricht oder denkt weil die Autorin in einem Absatz dreimal die charakterliche Perspektive aus der sie erzählt wechselt. Das hat mich verwirrt und ich musste manche Passagen mehrfach lesen. Die Diskussionen mit den Aposteln verliefen ebenfalls oberflächlich. Die Konflikte zwischen den Lehren von Petrus, Paulus und Maria wurde mir nicht deutlich genug herausgearbeitet. Da hätte ich viel mehr erwartet, zumal wir auf unsere Bühne ganz intensiv in dem Spielen und den Dialogen darauf eingehen.

Ich finde es schwer als Autorin eine Geschichte aus der Sicht einer historischen Persönlichkeit zu schreiben, die bekannt ist. Wie kann ich ihr Worte in den Mund legen, die sie nie gesagt hat? Wie kann ich ihren Charakter, die inneren Konflikte darstellen, wenn ich so wenig über sie weiß? Wie kann ich über ihr Leben berichten, wenn ich nur wenige geschichtlichen Anknüpfungspunkte finde? Ist es überhaupt erlaubt über eine historische Persönlichkeit so zu schreiben?

Ich finde ein Roman bietet die ideale Form, um auch über solche historischen Ereignisse nachzudenken und sie vielen Menschen näher zu bringen. Es birgt für mich aber auch die Gefahr, dass die Leserinnen und Leser glauben, dass etwas genau so gewesen wäre. Ich kann also verstehen das Marianne Frederiksson eine gewisse Distanz zu den Personen bewahrt, über die sie schreibt. Dafür geht aber ganz viel Potenzial flöten, mit denen sie ein tiefes, ja inspirierendes Buch hätte schreiben können. Denn für mich ist Maria Magdalena ein historisches Vorbild für eine Frau, die ihren Weg, trotz der Widerstände, die ihr gegenüberstanden gegangen ist und das Himmelreich auf Erden in sich selber fand.

Fazit:

Ein interessanter Ansatz und für mich durchaus lesbar, weil mich die historische Figur so interessiert. Aber das ist auch alles, was mich fesseln konnte.

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