24. September 2015

Gehört: Outlander von Diana Gabaldon

Outlander von Diana Gabaldon

Outlander von Diana Gabaldon Screenshot von Amazon

Meine Schwester hat mir ganz begeistert von der Saga Outlander von der Autorin Diana Gabaldon erzählt. Aktuell existieren davon acht Bände. Die erste Geschichte ist ein Mix zwischen Fantasy und historischem Roman. Da ich mal wieder ein Guthaben von meinem Audible Abonnement verbrauchen durfte, löste ich es für den ersten Band der Saga ein. Insgesamt über 32 Stunden Hörvergnügen. Zum Glück war ich viel unterwegs, so dass ich es zügig durchhören konnte.

Das erste Drittel fand ich einen echten Hörgenuss. Die Sprecherin ist super, der schottische Akzent, nach einer Eingewöhnungsphase genial. Die Atmosphäre der Geschichte kommt so sehr authentisch rüber. Auch das historische Setting fand ich sehr gut gelungen, obwohl ich nicht alles geprüft habe. Es kann also durchaus sein, dass in der Geschichte historische Fehler stecken. Klar bei den Pflanzen und den körperlichen Gebrechen fehlten mir oft die Vokabeln, doch meistens verstand ich dann am Ende worum es ging. Mir gefiel auch sehr gut der Humor zwischen den Charakteren, die verschiedenen Figuren, der Klatsch und Tratsch, sowie die Eifersüchteleien.

Schwierigkeiten bereitete mir die Behandlung der Frauen in dieser Zeit und die Vorstellung für mich in so einer Zeit zu landen, war einfach nur grauenhaft. Vermutlich wäre ich schon nach der ersten Stunde tot gewesen.  Zum Glück ist es ja nur Fantasy, vielleicht sogar mit durchaus realen Bezug, denn in vielen Ländern leiden Frauen ja noch immer unter der patriarchischen Herrschaft. Bei dem Teil mit dem Hexenprozess bin ich seit unserem Vortrag im Kump etwas skeptisch, ob das so stimmt. Nur mal so ein paar Fakten von dem Historiker, der den Vortag bei uns im Mai 2014 im historischen Kump in Hallenberg hielt.

500 Einwohner bei 110 Familien lebten damals in Hallenberg (grober Zeitrahmen der Hexenprozesse 1500 -1782). 200 Personen wurde der Hexenprozess gemacht davon waren 80% Frauen und 20% Männer sowie Kinder. Insgesamt verloren 43 Menschen dabei ihr Leben. Immerhin eine Überlebenschance von 80%, was ich überraschend hoch fand. Insgesamt gab es Europaweit 60.000 Opfer bei den Hexenprozessen davon 25.000 in Deutschland. Die Prozesse fanden vor staatlichen, kommunalen Gerichten statt nicht durch die katholische Inquisition! Die Blutgerichtsbarkeit lag zu diesem Zeitpunkt immer beim Staat, die Kirche selbst besaß diese Recht über Leben und Tot nicht!  Tja, was soll ich sagen, ich hatte ein völlig falsches Bild von den Hexenprozessen. Allerdings gab es ein Buch: “Der Hexenhammer” von einem Dominikanischen Mönch Heinrich Kramer erschienen 1486, das absolut Frauenfeindlich war. Daher womöglich die falschen Darstellungen in vielen Büchern. Martin Luther, Begründer der evangelischen Kirche, war übrigens auch für die Hexenverbrennung.

In der Mitte des Buches kam dann für mich ein absoluter Tiefpunkt. Ich hatte das Gefühl es geht nur noch um eines nämlich Sex, dass fand ich sehr anstrengend. Ja, ich mag auch schöne Liebesszenen und beneide jede Autorin die das so Klasse hinbekommt, wie auch Diana Gabaldon. Doch Stunde, um Stunde, um Stunde, um Stunde ist es echt ermüdend, trotz aller räumlich unterschiedlichen Umgebungen, bleibt es ja letztlich dasselbe. Mir ist aber klar, das genau das viele Leserinnen an den Büchern toll finden. Die Beziehung (finde ich auch gut) und die Leidenschaft zwischen den Beiden. Also lasst euch nicht abschrecken, von dem was ich schreibe.

Im letzten Drittel fand ich es dann wieder interessant und ich hörte es bis zum Ende durch. Claire fand ich als Figur sehr authentisch. Auch wenn sie nicht unbedingt mein Fall ist. Sie hat mich oft zum Nachdenken gebracht, wie ich in ihrer Situation gehandelt hätte. Zwei Mal, war ich so unsicher, dass ich mein Mann mal testhalber fragte, was er denken würde, was ich gemacht hätte. Na ja, dass sind ja zum Glück nur Gedankenspiele. Jamie gefiel mir auch gut, vor allem in seiner auf der einen Seite doch sehr witzigen Naivität und das er in der Zeit, sozusagen seinen Mann steht. Abschreckend die Form der Brutalität, obwohl es natürlich in die Zeit passt. Sein Handeln hat die Autorin sehr gut in den Lebensverhältnissen aus denen er stammt, in der Zeit, in der er lebt, schlüssig begründet. Aber wie gesagt ich bin definitiv froh in der heutigen Zeit zu leben, wo es liebevolle, sensible Männer gibt, die nicht gewalttätig sind.

Höre ich die nächsten Bücher? Nein. Auch wenn es vieles gibt, was mich interessieren würde, finde ich den Gedanken bei acht Bänden ca. 256 Stunden geballte Romantik mit jeder Menge Sexszenen zu hören, dann doch etwas zu viel. Obwohl mich das ein oder andere historische Setting reizen würde. Definitiv finde ich es toll, wie die Autorin es geschaffen hat, so viele Leserinnen für ihre Geschichten zu begeistern und das obwohl es sich in gewisser Weise “nur” um die zwei Hauptcharaktere dreht. Alle Achtung, das verdient mein absoluten Respekt. Ich würde das nie schaffen. Aber es ist ja auch gut seine Grenzen zu kennen.

Anfangs wollte ich mir die Serie ansehen. Weil es mich einfach total gereizt hat zu sehen, wie das Buch verfilmt worden ist. Seit ich selbst Theater spiele, ist es doch immer wieder faszinieren zu erleben, was ein/e Regisseur/in aus einer Story macht, wie sie/er die Essenz herausarbeitet, weil sie/er ja längst nicht die Zeit hat eine Geschichte in der epischen Breite zu erzählen, wie sie ein Autor hat. Doch wie gesagt, schreckte mich dann doch die Mitte ab.

Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Spaß mit der Geschichte, wenn ihr sie jetzt lesen wollt.