Die Sache mit den Übersetzungen - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

Die Sache mit den Übersetzungen

imageEnglisch ist für mich ein Muss in meinem Job. Obwohl ich in der Schule Grotten schlecht darin war, sogar mal eine sechs auf dem Halbjahreszeugnis hatte, macht mir die Sprache sehr viel Spaß. Vielleicht liegt es daran, dass sie kompliziertes simple ausdrückt. Damit ich im Sprachfluss bleibe, lese ich englische Bücher oder höre sie. Hören Sie sich einmal einen Tom Clancy von einem guten Hörbuchsprecher/-sprecherin an. Ein ganz anderes Feeling als im Deutschen. Doch werden wir mal konkret.

Ich hatte mir ein Nora Roberts Buch zum automatischen Kauf markiert: “The Perfect Hope” – es klang lustig. Schönheitskönigin, elegant betreibt ein Bed & Breakfast in einem kleinen Ort und der Unternehmer, dem das ganze gehört und der es gebaut hat, gerät mit ihr aneinander. Zwei unterschiedliche Typen, die in völlig unterschiedlichen Welten zu Hause sind. Bei dem Hörbuch musste ich immer wieder lachen. Eine der besten Szene ist wie die drei Männer mit drei kleinen Jungs einen Männerabend verbringen. Mir fällt dann immer wieder ein, dass das Schönste an

meinen Kindern ist, dass ich mich wieder wie eines benehmen darf, ohne dass es jemanden stört. Aber auch eine Liebesszene so ziemlich am Ende, wo er sie draußen beim Sonnenaufgang liebt. Sehr schön. Ich fand das Buch witzig und unterhaltsam, so dass ich am Ende wissen wollte, wie die zwei anderen Brüder zu ihren Frauen gekommen sind. Es ist nämlich eine Triologie über das Inn BoonsBoro mit einem romantischen Geist der in den alten Gemäuern lebt. Also lud ich mir das erste Buch aus der Reihe, ebenfalls auf Englisch herunter. Und Hoppla, jetzt kam mir einiges bekannt vor. Tatsächlich hatte ich das Buch auf Deutsch mal angefangen und dann beiseite gelegt, weil es so steif wirkte.

Auf Englisch hingegen wirkte es überhaupt nicht steif. Beckett der Architekt, kreativ, sehr warmherzig, Owen der Listenfreak, Organisationstalent immer mit einem Plan und Ryder, der stachelige, Raubein, der mit Tränen nicht fertig wird, dafür eine sensible Seite hat. Allein die Szene im zweiten Buch, wo der mittlere auf einem Besuch bei seiner Mutter vorbei kommt, die gerade ihren Lover da hat. Zum Wegschreien, der Schock, die charakteristischen Reaktionen der Brüder und ihre Unfähigkeit ihre Mutter als Liebhaberin eines Mannes zu sehen. So ging es mir in vielen Szenen beim ersten Buch. Liebesszene die in Deutsch völlig flach sind und doof. Im Englischen dagegen komisch-romantisch und so charakteristisch für den Protagonisten. Das fängt dann schon mit einfach Ausdrücken an.

Szene aus dem ersten Buch Kapitel 19 in Deutsch:

“Ich dachte, dass du nichts dagegen hast.” – “Dein Anblick verschlägt mir einfach den Atem.” –> puh platt

In Englisch:

“I didn´t think you mind.” – “You – leave me breathless” –> nachdem er zuvor seine eigene Zunge verschluckt, weil sie ihn mir ihrem Anblick so schockt. Salopp von mir übersetzt, während er im Deutschen einen Satz anfängt und dann das Statement kommt “Er brach ab….” Nein er bricht nicht einfach ab, sondern sie zieht ihm tatsächlich den Boden unter den Füßen weg.

Oder der Hund von Ryder genannt “Dumb(-)ass” kurz “D.A.” und im Deutschen “Dum(-)bass” kurz “D.B.” heißt. Jeder der drei Männer liebt seine Frauen so wie sein Charakter angelegt ist. Der Erste phantasievoll und kreativ, der Zweite Zentimeterweise sich Zeit lassen, der Letzte ursprünglich nativ.

Ich habe mich gefragt, wie es kommt, dass ein Buch auf Englisch unterhaltsam kurzweilig zum Lachen sein kann und auf Deutsch langweilig und flach. Und mir ist klar geworden, es liegt an der Übersetzung. Nora Roberts ist für mich ein Phänomen, weil sie es schafft immer wieder dem gleichen Plot eine manchmal spannende, individuelle, liebenswerte Note zu geben. Ihre Bücher leben von den Charakteren und die bringt sie in ihre Sprache, den Handlungen und in den Liebesszenen super Klasse rüber. So etwas kann nicht übersetzt werden. Denn auf Deutsch muss es anders sein, die Liebesszene kann nicht so aufgebaut werden, braucht andere Sprachelemente, um das Feeling rüberzubringen: “…and plans a long steamy one on me…” – wie lässt sich so etwas übersetzen ohne platt oder in diesem Fall vielleicht ordinär zu wirken. Im englischen, wenn Ryder die Situation seinen Brüdern erzählt und sich dazwischen Chips reinstopft, konnte ich nicht anders als Lachen.Ich kenne die deutsche Übersetzung von diesem Buch nicht, aber die von dem Ersten hat mir gereicht.

Es gab Momente da habe ich überlegt, ob ich meine Bücher mal ins englische Übersetzen lassen soll, weil der Markt größer ist. Aber mir ist klargeworden, es würde nicht passen. Die ganze Geschichte müsste anders laufen, einen anderen Ton und Note erhalten, weil die Umgangssprache anders ist. Die einzige Chance bei einer Übersetzung ist es, die Geschichte wirklich vom Feeling her in der anderen Sprache neu zu schreiben, aber dafür reicht mein Englisch nicht.