13. Oktober 2016

Die nackte Wahrheit zu Band 4 Licht und Dunkelheit

Heute muss ich mich bei euch entschuldigen. Ich habe lange nach der Email bzw. dem Feedback auf Amazon unter Vivien, gesucht und es nicht gefunden. Aber ich weiß noch, was sinngemäß drin stand. Band 3 Vivien ist keine in sich abgeschlossene Geschichte mehr. Stattdessen macht es Sinn vorher zuerst die anderen zwei Bände zu lesen. Ich kramte in meinem Gedächtnis und erinnerte mich, dass ich irgendwann in einem Blogpost oder meinen Seiten oder sogar in irgendeiner Version meiner Bücher – die ändere ich ja auch ab und an – geschrieben hatte, dass jedes Band von Licht und Dunkelheit auch einzeln zu lesen sein sollte.

Verdammt, verdammt, verdammt – warum schreibe ich auch sowas? Mein Kreativität nimmt wenig Rücksicht auf meine Absichten. Sie ist sogar unglaublich geschickt darin, die Fakten oder das, was ich mir fest vorgenommen habe mit Wonne zu vereiteln. Vor kurzem sah ich mir den TED Talk von Elisabeth Gilbert mit meinen Kindern an und wir finden, dass sie total Recht hat. Auch ich fühle mich oft wie eine Besessene, wenn es um das Schreiben geht.

Um mit den Druck nach ihrem Megabesteseller umzugehen, ging sie zurück in die Antik und fand die Lösung.

In früheren Zeiten glaubte man, dass Kreativität ein göttlicher Geist ist, der sich eines Menschen bemächtigte und ihn dazu trieb ein Kunstwerk oder Buch zu kreieren. In Griechenland wurde dieser göttliche Geist als Dämon bezeichnet, die Römer bezeichneten ihn als “Genius”= Schöpfergeist. Unser Wort Genie stammt davon, nur das es heute eine sehr auf die Person und deren Ego bezogener Begriff ist. Jedenfalls ist es dieser Geist, der mich befällt, mich dazu zwingt mit niederzusetzen und wie eine verrückte zu schreiben und dem es vollkommen egal ist, was ich ursprünglich wollte.

Wenn ich ein Talent zum Schreiben hätte, wäre das genial (wieder dieser Wortstammt). Dann könnte ich nämlich auch ein Bestseller schreiben, einfach mal so. Die Wahrheit ist ich besitze lediglich ein Urvertrauen in diesen kreativen Geist und er jagt mich in die Richtung, wie es ihm passt. Ist der Gedanke nicht unglaublich befreiend? Ich kann mich meiner Arbeit widmen, ein Buch nach dem anderen Schreiben. Ist es gut – prima -, da war mein kleiner Dämon doch mal wieder Klasse drauf. Ist es schlecht – Pech, da hat er wohl echten Mist gebaut. Egal, beim nächsten Buch wird es besser. Ja, ja ich weiß, wir sollen selbst die Verantwortung tragen. Aber wer erlebt hat, wie unglaublich schmerzhaft es sein kann, all sein Herzblut in eine Geschichte gesteckt zu haben, die dann zerrissen und kritisiert wird, weißt, dass das zu unheilbaren Schäden führen kann. Ja, sogar das Schreiben komplett beenden. Wisst ihr wieviele wunderschöne Bücher es gibt, die niemals geschrieben worden sind? Wisst ihr wieviel Autoren und Autorinnen an ihrem eigenen Megabestseller erstickten und nie wieder ein anderes Buch veröffentlichten? Unzählige.

Aber jetzt mal zurück zum Ausgangspunkt, liebe Kerstin, was hat das alles mit Band 4 von Licht und Dunkelheit zu tun?

Ganz einfach, das Buch wird definitiv – ohne wenn und aber – ohne wenigstens Band 3 gelesen zu haben, nicht verständlich sein. Ich müsste soviel aufrollen, in Rückblenden oder Gesprächen erneut ansprechen, dass der Handlungsablauf total darunter leiden würde. Er leidete womöglich schon jetzt – meine größte Angst zur Zeit, nach der zwei Sterne Kritik von Vivien. Es wäre ein Infodumping – das Wort musste ich erstmal nach recherchieren, als mich ein gestandener Verlagsautor darauf bei Hannas Wahrheit hinwies – ein Ausschütten von “langweiligen” Erklärungen, damit jemand die Geschichte versteht. Wie gut, dass ich nie Germanistik studierte, sonst hätte ich niemals ein Buch veröffentlicht. Ja, ja ich höre die Kritiker wieder, vielleicht wäre eine andere Autorin, ein anderer Autor mit einem anderen kreativen Schöpfergeist (was für ein genials Konstrukt) dazu in der Lage, aber mein Dämon, lässt jetzt im letzten Band einfach alle Protagonisten und Antagonisten aufeinanderprallen. Es gibt eine Explosion von Liebesgeschichten. Ich liebe es ein Feuerwerk zu kreiieren. Das macht total viel Spaß und nein, im Gegensatz zu meiner ersten Idee, wird es keine Endschlacht geben. Das liegt mir einfach nicht – ich werde die Geschichte anderst beenden.

Wie?

Wie – wie?

Na, wie wird sie enden?

Ehrlich?

Ja, natürlich ganz ehrlich!

Ich habe nicht die geringste Ahnung und das obwohl ich in den letzten Zügen liege. Hey, du kleiner, süßer Dämon, hörst du das? Lass mich jetzt bloß nicht im Regen stehen!

Schluss für heute – ich muss es ausnutzen, das mein Dämon gerade im kreativen Flow ist und weiter schreiben. Und vor allem muss der Apfelkuchen versteckt werden, sonst werde ich noch dick und rund.