26. Juli 2011

Die Entscheidung selbst zu verlegen

2011-07-26-buchcoverDer Gedanke Schriftsteller zu werden ist mir nie gekommen. Viel zu tief saß die Ehrfurcht vor all den großen Namen deutscher und internationaler Schriftsteller. Schreiben ist ein Talent, etwas mit dem man geboren wird, nicht etwas, dass sich erlernen lässt. Das Kulturgut Buch wird in Deutschland hochgehalten und in den erlesenen Kreis der Schriftsteller kommen nur diejenigen hinein, die von einem Verlag “entdeckt” und verlegt worden sind.

John Locke hat ein interessantes Beispiel gebracht, das ich bestimmt seit zwei Jahren schon intensive mit meinem Mann diskutiere. Carsten konnte nie verstehen, warum ich nächtelang an meinem Buch gesessen habe, um es dann auf der Festplatte abzulegen. “Veröffentliche es doch.” – “Dafür brauche ich ein Verlag.” – “Wieso?”

Vielleicht ist es noch wichtig zu wissen, dass wir seit 1991 Selbstständig in der Informationstechnologie sind (Rachfahl IT-Solutions GmbH & Co.KG). Spätestens seit dem iPad sah er überhaupt keinen Grund mehr, warum ich mein Buch nicht selbst verlegen sollte.

Doch zurück zu dem Beispiel von John Locke in seinem Buch “How I sold 1 Million eBooks in 5 Month”. In der USA scheint es genauso schwer zu sein,  als “Frischling” eine Verlag zu finden, wie in Deutschland. Er nimmt das Beispiel von Bill Gates und Paul Allen, die einen Softwarekonzern aufbauten, der heute in vielen Bereichen Marktführer ist (Microsoft). Doch was passiert, wenn diese beiden Männer auf die Idee kämen ein Buch im Selbstverlag zu veröffentlichen? Wären sie dann arrogant, eingebildet, selbstgefällig und eitel? All das sind Begriffe, die ich oft mit einem milden Lächeln verwendet habe, wenn ein “Schriftsteller” bei einem Zuschussverlag oder auf eigene Kosten sein Buch veröffentlichte. In seine selbst geschriebene Software zu investieren ist in Ordnung. Ein Geschäftsidee zu entwickeln und darin zu investieren genauso. Auch die Investition in fremde Unternehmen, die ich nicht kenne, wird allgemein bewundert. Aber in seine eigenen Geschichten?

Wenn wir als Schriftsteller nicht selber Spaß an unseren Geschichten haben, sie toll finden und von ihnen begeistert sind, wie können es dann unsere Leser sein? Natürlich dürfen wir dabei nicht den Blick auf unsere Schwächen verlieren und müssen ehrlich zu uns sein. Genauso ist für mich das Lektorieren meiner Manuskript unerlässlich. Die Qualität meines “Produktes” muss für mich stimmen. Das ist neben meiner eigenen Zeit, die größte Investition. Letztlich aber sind es die Leser, die entscheiden, ob ihnen ein Buch gefällt oder nicht.

Ich schreibe nicht für meine eigene Eitelkeit, sondern für die Menschen, die meine Bücher lesen. Vielleicht schaffe ich es und kann sie in eine andere Welt entführen. Das sie mitfiebern, mitfühlen, traurig sind, lachen und sich freuen, wenn am Ende alles gut ausgeht. Ich möchte keine Preise gewinnen, sondern meine Leser ein Stück weit aus ihrem Alltag reißen, sie mit meine Geschichten unterhalten und ihnen eine schöne Zeit bereiten. Nicht anders wie ein Hotel, in dem sich der Urlauber erholt, regeneriert, Kraft tankt und sich einfach wohlfühlt. Wenn dann noch das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt ist das einfach Genial. Genau die Möglichkeit bietet mir das E-Book.   

P.S. Nicht falsch verstehen. Anders als John Locke, denke ich, dass weder Bill Gates, Paul Allen, Steve Jobs, Thomas Alva Edison…(so gäbe es noch unzählige auch deutsche Beispiele) am Anfang offene Türen einrannten. Die meisten von ihnen haben sich ihren Erfolg hart erarbeitet und wurde bestimmt von dem ein oder anderen belächelt, vielleicht sogar als Eitel bezeichnet. Mein Fazit ist nur, ein Buch ist nichts anderes, als eine Idee, Erfindung oder ein Produkt. Es ist also völlig in Ordnung, wenn ihr als Urheber darin investiert.

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