Auf das Wesentliche konzentrieren - Kerstin Rachfahl Schriftstellerin

Auf das Wesentliche konzentrieren

Anfang des Jahres setzte ich mir drei Ziele. Das erste Ziel lautete drei Bücher schreiben und drei Bücher veröffentlichen. Beim zweiten Ziel, Gesundheit, ging es um meine Ernährung, mein körperliches Wohlbefinden und Sport. Das dritte Ziel lautete Achtsamkeit.

Darunter verstehe ich, dass ich mir bewusst Zeit nehme auf mich zu hören, wie es mir geht und was ich empfinde. Ich möchte herauszufinden, was mir in meinem Leben wichtig ist und was mich zufrieden macht. Dazu gehört auch mir bewusst zu machen, welche Entscheidungen ich in meinem Leben getroffen habe, wohin sie mich führten und zu begreifen, was ich jeden Tag leiste. Jedoch auch zu erkennen, wie unsagbar glücklich ich mich schätzen darf, im schönen Sauerland zu wohnen, einen tollen Partner an meiner Seite zu wissen und mit Staunen zu beobachten, wie aus meinen Kindern, Erwachsene werden. Ich wollte wissen, was stresst mich in meinem Leben und was für Lösungen bieten sich an, die ich dann anfangen kann umzusetzen.

Der aktuelle Stand meiner Ziele

Während ich bei den ersten zwei Zielen gut vorangekommen bin, lief ich bei dem dritten Ziel immer wieder gegen eine Wand. Ständig komme ich an den Punkt der Erschöpfung und verstehe nicht, warum es mir so schwer fällt, Dinge lockerer zu sehen oder generell loszulassen. Ich scheine ständig durch Höhen und Tiefen zu gehen. Ich bekam das Gefühl an diesem Ziel zu scheitern. Statt es ruhiger angehen zu lassen, rann mir die Zeit noch schneller durch die Finger. Scheitere ich an diesem Ziel? Macht es sich lustig über mich? Nein. Gerade weil ich Achtsamkeit trainiere, kommen in mir die inneren Konflikte hoch. Eigentlich ist es nur einer zwischen meinen zwei Rollen als Schriftstellerin und als Unternehmerin.

Im September 2018 übernahm ich wieder den kaufmännischen Part in unserem Unternehmen, nachdem ich mich zwei Jahre zuvor aus den tagtäglichen Aufgaben zurückgezogen hatte, um mich hauptsächlich meiner Karriere als Autorin zu widmen. Dann geschah, was meistens passiert, nämlich das Leben. Wir mussten auf eine Veränderung reagieren. Für meinen Mann und mich war klar, dass das Schreiben weiterhin ein wichtiger Part in meinem Arbeitsalltag bleiben würde, doch unser Unternehmen brauchte meine Arbeitskraft, denn von dem Einkommen bestreiten wir unser Leben.

Unser Unternehmen gibt es seit 1991. In der IT-Branche gehören wir zu den Urgesteinen. Ich liebe es zu sehen, wie wir anderen Unternehmen bei dem Aufbau ihrer Infrastruktur zur Seite stehen und ihnen helfen, wenn es Probleme gibt. Mein Highlight jedes Jahr ist unsere Cloud und Datacenter Conference Germany, die sich für mich mit den Speakern, Sponsoren und Teilnehmern, wie ein großes Familientreffen anfühlt. Ich bin gerne ein aktiver Teil unseres Teams.

Und meine Bücher?

Das Schreiben von Büchern ist meine Leidenschaft. Das Vermarkten meiner Bücher, stellt für mich die größte Herausforderung dar. Trotz der zwei Jahre, in der meine Karriere als Schriftstellerin im Mittelpunkt stand, bin ich damit nicht wirklich weitergekommen. Sobald es darum geht, mich als Autorin in das Rampenlicht zu bewegen, sei es über Social Media, Messen oder Lesungen, baut sich in mir ein innerer Widerstand auf. Es macht mir nichts aus, auf der Bühne zu stehen, zu reden oder Interviews zu geben. Mich jedoch mit meine Büchern zu präsentieren und sie meinen Leserinnen anzubieten oder Rechte davon zu verkaufen, schaffe ich nicht. Ich komme mir vor, wie eine Betrügerin und dann Zweifel ich daran, dass es meine Bücher wert sind gelesen zu werden. Warum ist das so?

Sichtbarkeit für meine Bücher, bekomme ich in Social Media nur über Sichtbarkeit für mich als Person und das ist für mich ein weiterer innerer Konflikt. Ich liebe es, mich mit meinen Leserinnen über meine Bücher auszutauschen, ihre Fragen zu beantworten, selber welche zu stellen und von ihnen zu lernen. In jeder Geschichte, die ich schreibe, steckt ein winziges Stück von mir selbst. Es sind meine Figuren, meine Gedanken, meine Gefühle und es geht um Themen, die mich interessieren, mich beschäftigen und die ich spannend finde. Jedes Buch beginnt für mich mit einer Frage, die ich im Verlauf des Schreibens versuche zu beantworten.

Weil das Buch und ich als Mensch untrennbar miteinander verbunden sind, führt das automatisch dazu, dass ich die Kritik an meinem Buch, als Kritik an meiner Person empfinde. Stell dir vor du gehst zu einer Party und jeder mustert dich, fällt ein Urteil und dreht sich um. Brrr. Furchtbar. In einer ein Sterne Kritik das zu sehen, was sie ist, nämlich die persönliche Meinung einer Leserin über das Buch und nicht über mich als Mensch, fällt unglaublich schwer. Dabei lerne ich aus dieser ein Sterne Kritik genauso viel, wie aus jeder anderen Kritik, sei es zwei, drei, vier oder fünf Sterne. Je mehr ich nun die Sichtbarkeit meiner Bücher, an meine Person binde, desto schwieriger wird es für mich, beides voneinander zu trennen.

Facebook, Instagram, Twitter usw.

Ständig höre ich Podcasts, lese Blogpost oder schaue Videos, um herauszufinden, was ich beim Marketing besser machen kann. Wie ich es endlich schaffe, die Schallmauer bei meinem Büchern zu durchbrechen, damit ich endlich, ein aus meiner Sicht vernünftiges Einkommen aus meinen Bücher erziele. Schließlich muss ich mich innerlich vor mir selbst rechtfertigen, warum ich meine Arbeitszeit in das Schreiben stecke, anstatt in unser Unternehmen.

Ständig renne ich einem neuen Social Media Trend hinterher. Ich lese womit andere Autor/innen erfolgreich sind und versuche es zu kopieren. Ich probiere neue Plattformen aus, verändere meine Webseite und teste verschiedene Preisstrategien aus. Jede soziale Plattform hat ihre eigenen Regeln. Es geht um Kommunikation und die verstummt, wenn sie nur einseitig stattfindet. Also verbringe ich viel Zeit auf den Social Media Kanälen, bearbeite Fotos, schreibe Blogpost, mache Videos oder überlege einen neuen Podcast aufzubauen. Das bedeutet noch weniger Zeit für das Schreiben, weil die Aufgaben in unserem Unternehmen erledigt werden müssen. Das Finanzamt kennt nämlich keine Fristverschiebung, weil ich mich in der Endphase meines neuen Thrillers befinde.

Macht es Sinn auf allen Hochzeiten zu tanzen?

Der Booklaunch von Tisiphone Tochter war absolut ernüchternd. Trotz einer gestaffelten Bewerbung der Neuerscheinung, trotz einem Einführungsrabatt von 50%, ist es längst nicht so hoch gekommen, wie der dritte Band von Sondereinheit Themis: Menschenhandel, der es bis auf Platz 186 in der Kindle Bestsellerliste nach Verkäufen geschafft hat. Gerade als ich vor lauter Frust meinen Kopf in den Sand stecken wollte, bekam ich eine Mail von Johannes zum Winkel, der Betreiber der xtme.de Webseite, wo ich ein Marketingpaket buchte, der mir sagte, dass mein Cover vermutlich ein Problem darstellen würde. Frauen kaufen keine Bücher, auf denen im Titelbild eine Waffe zu sehen ist. Ich fing an seinen Ratgeber zu lesen und erkannte mich in vielen der kleinen Beispiele, aus seiner Beratungspraxis von Autor/innen wieder.

Zwei Punkte sind mir dabei bewusst geworden. Erstens es macht keinen Sinn, Zeit auf allen möglichen Social Media Plattformen zu verbringen. Das war mir zwar vorher klar und doch machte ich es. Zweitens ich muss herausfinden, für wen ich meine Bücher schreibe und eine Qualität beim Schreiben ablegen, die die Erwartungen meiner Leserinnen erfüllt. Drittens ich darf mich darauf konzentrieren richtig gute Bücher für meine Zielgruppe zu schreiben und wenn die Verpackung samt Klappentext so gestaltet sind, dass sie auch meine Zielgruppe ansprechen, dann sind alle andere Werbemaßnahmen zweitrangig.

Konzentration auf das Wesentlich

Der Aufbau einer Schriftstellerkarriere dauert seine Zeit. Bei manchen geht es schneller, andere brauchen Zeit. Vor allem, wenn man so wie ich, in mehreren Genres zu Hause ist. Am wichtigsten ist es neue Bücher zu schreiben, die handwerklich sauber sind, meine Leserinnen unterhalten und ihrer Erwartungen erfüllen. Meine liebste Plattformen im Internet ist meine Webseite. Mein Newsletter ist meine Verbindung zu meinen Leserinnen. Auf diese zwei Kommunikationskanäle werde ich mich konzentrieren. Alles andere werde ich auf Eis legen.

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